(c) Jan Sting

Der Flüchtlingsstein - Worte mit Werkzeug geübt

  • 15.01.17 12:18
  • Jan Sting
  •   Kurz und Knapp

Das Familien- und Erwachsenenbildungswerk des Evangelischen Kirchenkreis  Leverkusen  übernahm in der dualen Ausbildung den Part der Sprachschulung. Zweimal wöchentlich gab es Unterricht in der Leichlinger Diakonie-Station. Nachdem das Projekt im August abgeschlossen war, machte Welter mit Flüchtlingen und Nachbarn aus Leichlingen weiter. Diesmal wurde der Umgang mit Worten und Werkzeug  am Flüchtlingsstein geübt, der nun im Leichlinger Stadtpark hinter dem Rathaus steht.  Das Erzbistum Köln beteiligte sich an den Materialkosten. In der rauen Oberfläche des mannshohen Tuffsteins stehen Worte in unterschiedlichen Sprachen. Doch auch wenn die Schriftzeichen nicht einheitlich sin und nebeneinander arabische, tadschikische, armenische und französische Passagen im deutschen Text stehen, ist es doch ein und dasselbe Gebet. Papst   Franziskus hat es in der Umwelt-Enzyklika Laudato si' für unsere Erde geschrieben: "Überflute uns mit Frieden, damit wir als Brüder und Schwestern leben und niemanden schaden."

Die gleiche Sprache sprechen

Dass die Idee der Integration durch die gemeinsame Arbeit am Stein aufging, zeigt ein Besuch in Welters Atelier. Dort stehen die Flüchtlinge und Nachbarn aus Leichlingen auch Wochen nachdem der Stein aufgestellt wurde noch in Kontakt. "Die Flüchtlinge sind immer glücklich mit diesen Leuten. Wir arbeiten hier zusammen mit Holz oder Stein. Das ist so gut für uns", sagt der 24-jährige Moussa aus Westafrika. Der 27-jährige  Fayzullo aus dem zentralasiatischen Tadschikistan verrät, für welches Wort auf dem Stein er sich entschieden hat: "Freundschaft." Die Erfahrung, Freunde bei dem Projekt gefunden zu haben, bestärkt ihn in seinem Wunsch, die gleiche Sprache mit ihnen zu sprechen, wenn sie sich bei Berthold Welter in seinem "Kunstbüdchen" treffen.

Zeichen für soziale Gerechtigkeit

Für Teilnehmer Horst Tschentscher (78) ist die Arbeit am Flüchtlingsstein mit Erinnerungen verbunden:  "Ich finde, dass ich hier auch wieder das umsetzen kann, was ich früher schon getan habe. Das Miteinander unter uns Menschen." Welcher Religion man angehört, spielte bei der Arbeit nach Ansicht Berthold Welters keine Rolle. "Religiös zu sein bedeutet für mich ja, Achtung vor dem Mitmenschen, vor der Umwelt, vor der Schöpfung zu haben. Und das beinhaltet für mich auch dieses Gebet. Und für mich bedeutet halt dieses Projekt, diese Achtung auszudrücken und eben auch zu leben." Das Franziskusgebet habe sich angeboten, da der Papst damit  ein viel beachtetes Zeichen für den Klimaschutz und gegen soziale Ungerechtigkeit setzte. Ein weiteres Projekt schließt Welter nicht aus und wird von allen Teilnehmern darin bestärkt. Quasi als "Nebenprodukt" des Steins ist ein Sitzplatz unweit des Kunstbüdchens entstanden. Den haben alle gemeinsam aus alten Brettern gebaut - ideal für ein Picknick.

AdventsZeit 2016 (c) Heiko Wrusch

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