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Der Friedensstifter

  • 20.07.17 10:38
  • Martin Mölder
  •   Im Auftrag des Herrn

Wir schreiben das Jahr 2001. Es ist gerade mal drei Monate her, dass Selbstmordattentäter des Terror-Netzwerks Al-Qaida insgesamt vier Passagiermaschinen gekidnappt und zum Absturz gebracht haben. Zwei davon zerschellen und explodieren in den zwei Türmen des World Trade Centers. Ein viertel Jahr danach hat die westliche Welt noch lange nicht verkraftet, was da am 11. September passiert ist. Von einem „Krieg gegen Amerika“ werden später vor allem US-amerikanische Politiker sprechen. Und zwei Kriege – gegen Afghanistan und den Irak - als Reaktion auf den 11. September werden die Folge sein. Umso spannender wird am Morgen des 12. Oktober 2001 von der ganzen Welt die Bekanntgabe des neuen Friedensnobelpreisträgers erwartet. Und einigermaßen überraschend fällt die Wahl auf die UN und ihren damaligen Generalsekretär Kofi Annan. „Für ihren Einsatz für eine besser organisierte und friedlichere Welt“, wie es in der Begründung des Nobelpreiskomitees heißt. Obwohl: So überraschend ist es eigentlich nicht, wenn man sich das Leben Kofi Annans genauer betrachtet.

Der zweite - bei der Geburt

Kofi Annan wird am 8. April des Jahres 1938 geboren. Als Zwilling. Kurz vor ihm kommt Schwester Efua zur Welt. Ein großes Glück für Kofis Eltern Rose Eshun und Henry Archibald Annan, denn Zwillinge waren und sind im gläubigen Ghana ein ganz besonderes Gottesgeschenk. Die Annans gehören der wohlhabenderen Gesellschaft der „Goldküste“, wie Ghana damals genannt wurde, an. Neben einer großen Familie, kümmern sich fortan auch die Hausbediensteten um das Zwillingspärchen. Die außergewöhnliche Geburt trägt Kofi Atta Annan in seinem Namen. „Kofi“ steht für „Sohn, der an einem Freitag geboren wurde“ und „Atta“ bedeutet so viel wie „und ein Zwilling ist“. Mit wichtigen Entscheidungen und Diplomatie kommt Kofi schon als Kind in Kontakt, denn sein Vater gehört zu den einflussreichsten Männern seiner Provinz Kumasi und schlichtet manchen Streit zwischen rivalisierenden Parteien. Oft auch privat zu Hause. Später sagt er selbst über seine Kindheit. „Es gab immer Menschen, mit denen man reden konnte, Menschen, deren Rat man einholen konnte, Menschen, mit denen man spielen konnte, und es herrschte ein Gefühl von Verbundenheit und Liebe.“

Das beste Internat

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Kofi Annan ist 16 Jahr alt, als er auf das Elite-Internat „Mfantsipim“ nach Cape Coast kommt. Bis heute gilt diese Schule, gut 200 Kilometer von Annans Heimatstadt Kumasi entfernt, als eine der besten in Ghana. Damals war es die angesehenste im ganzen Land. Mfantsipim wird von Missionaren der Methodisten geleitet und ist ein reines Jungen-Internat.

Zwar sind die Lehrer fast allesamt Afrikaner, dennoch prägen britische und vor allem christliche Einflüsse den Lehrplan Kofi Annans und seiner Mitschüler inklusive Wecken um 5.20 Uhr und Morgenandacht. Trotz strengen Regiments der Missionare mag Kofi Annan seine neue Schule, ja sein neues zu Hause, denn mitunter verbringt er drei bis vier Monate am Stück im Internat. „Es war eine interessante Erfahrung, weil es einem zum ersten Mal die Möglichkeit gab, eigene Entscheidungen zu treffen“, sagt Annan später, „dadurch wird man schneller erwachsen.“ Kofi Annan erarbeitet sich Respekt bei Lehrern und Mitschülern. Nicht nur durch gute Schulnoten, sondern vor allem durch seine soziale, kollegiale Art und seine sportlichen Leistungen. In seinem letzten Schuljahr sprintet er Allen davon und stellt neue Rekorde auf. Und er diskutiert gerne stundenlang über Politik und die Zukunft Ghanas und der Welt. Mitschüler erzählen, dass er bereits damals ein vor allem ruhiger, sachlicher und beharrlicher Redner war.

Mehr über das Leben von Kofi Annan lesen Sie am 09. August.

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