Nadim K. Ammann und Genralvikar Dr. Dominik Meiering, u.a. mit dem Erzbischof von Mombasa (c) Peter Kerenyi

"Der Glaube ist ein Fest"

  • 27.02.18 11:34
  • Martin Mölder
  •   Nachgefragt

Herr Generalvikar, Herr Ammann, Sie haben in Kenia den Kölner Priester Uwe Diedrichs getroffen. Was hat er Ihnen erzählt?

Dr. Meiering: Uwe Diedrichs war fast gerührt, weil mit uns endlich mal jemand aus dem Erzbistum Köln hier nach Kenia gekommen ist. Und es ist für beide Seiten schön, denn wir kommen in Kontakt mit den Menschen hier, sehen die Projekte und Visionen hier. Und auf der anderen Seite ist es toll für die Menschen hier, weil sie das als eine ungeheure Wertschätzung empfinden, dass wir da sind, mit ihnen reden, singen und beten. Und Uwe Diedrichs kann mächtig stolz sein auf das, was er hier in den vergangenen Jahren aufgebaut hat. Er ist hier geliebt und verehrt.

Sie haben ein neues Pfarrhaus in der Pfarrei „Rabai“ eingeweiht. Wie haben Sie diese Feier erlebt.

Ammann: Das war ein wahnsinnig schönes Fest. Unheimlich viele Menschen waren da und haben diese Einweihung und Einsegnung wirklich gefeiert, weil das auch bedeutet, dass hier eine neue Pfarrei wächst und entsteht.

Dr. Meiering: Dieses Pfarrhaus ist eines mit offenen Türen, das Anlaufstelle für alle Menschen sein soll, die hier wohnen.

Wie nehmen Sie die Situation der Christen in Kenia wahr?

Dr. Meiering: Insgesamt erleben wir hier in Kenia eine sehr religiös geprägte Gesellschaft. Der Anteil der Katholiken hier liegt bei rund 25%. Rund 80% sind Christen. Aber es gibt auch Orte, wie Mombasa zum Beispiel, die überwiegend muslimisch geprägt sind. Als wir dort in den vergangenen Tagen gewohnt haben, wurden wir morgens durch den Ruf des Muezzins geweckt während nebenan die Evangelikalen christliche Lieder gerappt haben. Aber es gibt eben auch katholische Gottesdienste und das Spannende ist, das die Familien sonntags rund um die Kirchen oft den ganzen Tag verbringen. Es gibt Religionsunterricht für die Kinder, Chorangebote, Momente der Stille und Anbetung, aber auch Kaffeeklatsch und Gespräche.

Ammann: Ich habe eben mit ein mehreren Kindern gesprochen und das fand ich sehr beeindruckend, weil die Kinder erzählt haben, dass sie in den Ferien freiwillig die Kirche putzen und regelmäßig zur Katechese gehen. Das ist eine ganz intensive Form von Gemeinschaft, vom Teilen von Glauben und Leben, die hier gelebt wird.

Was hat Sie in den Tagen am meisten beeindruckt?

Dr. Meiering: Mich hat die Selbstverständlichkeit mit der der Glaube hier gelebt wird, am meisten beeindruckt. Es gibt hier eine ganz schlichte, einfache Frömmigkeit, die ganz natürlich ist.

Ammann: Der Glaube ist ein Fest. Das ist etwas, was ich in meiner weltkirchlichen Arbeit immer wieder feststelle. Hier wird beim Gottesdienst getanzt, hier wird gesungen, hier wird gelacht. Man hat wirklich Lust zu glauben hier und man geht wirklich bereichert nach Hause.

SommerZeit 2018 (c) Robert Boecker

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