Papst Johannes XXIII. (c) picturealliance_dpa

Der Konzils-Papst

  • 07.12.16 13:16
  • Martin Mölder
  •   Im Auftrag des Herrn

Als im März 1953 der seit zwei Monaten vom Papst ernannte Kardinal Roncalli in die Lagunenstadt Venedig kommt, ist er bereits 72 Jahre alt. In einem Alter, in dem andere Geistliche langsam ihren Lebensabend vorbereiten, übernimmt Kardinal Roncalli noch einmal eine völlig neue Aufgabe. Für ihn ist es wie das Ankommen am Ziel eines langen Weges, der durchaus oft auch steinig, bergig und anstrengend war. Umso mehr genießt er jetzt seine Aufgabe. Endlich darf er wieder Seelsorger sein und trotz seines Amtes ist er so oft es ging mitten unter den Menschen. Die Venezianer lieben ihren Kardinal und seine milde, barmherzige und demütige Art. Fünfeinhalb Jahre leitet er auf diese Weise seine Diözese. Dann stirbt Papst Pius XII. und am 28.Oktober 1958 steigt nachmittags nach viel schwarzem Rauch zuvor, nach dem 11. Wahlgang des Konklaves weißer Rauch auf über der sixtinischen Kapelle. Die Kardinäle haben mit 38 von 51 Stimmen den Kardinal von Venedig, Angelo Giuseppe Roncalli zu ihrem neuen Oberhaupt gewählt, der sich den Namen Johannes aussucht. Er ist bereits der 23. Papst, der dies tut. Ein netter, freundlicher Übergangspapst denken sofort die meisten Vatikan-Experten und vermuten, dass es fortan ruhig werden wird in Rom bis ein neuer, wesentlich jüngerer Papst kommt, der die dringend notwendigen Reformen auf den Weg bringen wird. Aber es kommt ganz anders.

Eine historische Idee

 (c) picturealliance_dpa

Bereits fünf Tage nach seiner Wahl teilt der mittlerweile 77-jährige Papst Johannes XXII. seinem Privatsekretär Loris Francesco Kardinal Capovilla seine Absicht mit, ein Konzil einzuberufen. Drei Monate später, am 25. Januar 1959 wird diese Idee offiziell. Kurz nach Mittag versammelt er einige Kardinäle um sich. Die rechnen mit einer kurzen Rede und lange redet der Papst tatsächlich nicht. Aber mit dem, was er sagt, schreibt er Geschichte: „Ich zittere zwar ein wenig vor Rührung, doch verkünde ich demütig entschlossen, dass ich den Vorsatz habe, ein doppeltes Ereignis zu feiern: eine Diözesansynode und ein allgemeines Konzil für die universale Kirche.“

Das Zweite Vatikanische Konzil ist beschlossen. Giacomo Kardinal Lercaro, Erzbischof von Bologna sagt später über Johannes XXIII.: „Er wurde von dem Augenblick an, als er zum Papst gewählt wurde, zum Konzils-Papst. Er hat sich das klare und unabänderliche Ziel gesetzt, wirklich universaler Hirte und Lehrer zu werden.“ Dieser Papst hat trotz seines Alters Mut, viel Ausdauer und große Geduld, aber er ist auch konservativ und stur. Sein Durchsetzungsvermögen wird damals von vielen unterschätzt. Genauso wie seine politischen Fähigkeiten, die er sich in seiner langen Zeit als Diplomat des Vatikans angeeignet hatte. Das zweite Vatikanum war das Lebenswerk dieses Papstes. Ein Lebenswerk, das die katholische Kirche für immer verändern wird und dass er beginnen, aber nicht vollenden kann. Papst Johannes XXIII. stirbt nach langer schwerer Magenkrebs-Erkrankung am 3. Juni 1963, einem Pfingstmontag. Nach nur vier Jahren, sieben Monaten und sieben Tagen als Pontifex. Kurz vor seinem Tod schreibt sein Sekretär Loris Capovilla: „Nachdem er uns gelehrt hat, wie wir leben sollen, lehrt uns dieser Papst gerade, wie Sterben geht. Und die Welt weiß, welch großen Schatz sie im Augenblick verliert.“

AdventsZeit 2016 (c) Heiko Wrusch

Lesen Sie hier die aktuelle Ausgabe der AdventsZeit 2016.

Zur Adventszeit 2016 »