Assisi (c) Robert Boecker

Der Mann, der dem Papst seinen Namen gab - Franz von Assisi

  • 06.02.17 13:21
  • Thomas Freidel
  •   Glaubensmagnete

Warum dieser Heilige des Mittelalters bis heute so lebendig im Bewusstsein der Menschen geblieben ist, sodass ihn eine amerikanische Zeitschrift gar zum Mann des Jahrtausends erwählte, liegt wohl daran, dass Franziskus in seinen Grundhaltungen, in seiner Sehnsucht nach Leben auch die Hoffnungen und Wünsche heutiger Menschen berührt und aufgreift. Franz von Assisi stellt sich die Frage nach Gott. Wer ist eigentlich dieser Gott, an den ich vielleicht glaube, oft aber auch an ihm zweifle, der mir doch immer irgendwo ein Geheimnis bleibt, das sich nicht ergründen lässt? Wie finde ich eine Spur in meinem Leben, die mich hinführt zu diesem Geheimnis, das wir Gott nennen? Franziskus hilft hierbei der Blick auf die Schöpfung und ihre Geschöpfe. Wenn die ganze Schöpfung einen gemeinsamen Ursprung hat, den wir Gott nennen, dann sehe ich also Gott selber nicht, der sich im Geheimnis verbirgt, ich sehe aber das, was er geschaffen hat, die Schöpfung in ihrer Schönheit und Vielfalt. Das Sichtbare also wird für Franziskus zur Spur, die ihn zu Gott hinführt. Wenn ich mich auf diese Spur begebe, dann führt sie mich hin zum Ursprung, der als Schöpfer hinter allem steht. Es ist also die Realität, die Wirklichkeit selber, die wunderschöne Natur seiner umbrischen Heimat, die Franziskus hinführt zu diesem verborgenen Geheimnis, zum Schöpfer und Ursprung allen Lebens. Diese Einsicht ist fundamental prägend für die Art und Weise, wie Franziskus denkt, lebt, glaubt, wie er Gott, Schöpfung, Welt und Mensch sieht und versteht. Wenn alles von Gott her kommt, dann gibt es nichts mehr, das bedeutungslos wäre, dann hat alles irgendwie einen Sinn, alles was geschaffen ist, will zum Menschen sprechen, will zur Spur werden, die den Menschen den Schöpfer erkennen lässt.

Schwester Mond, Bruder Sonne

Den schönsten Ausdruck findet dieses Denken bei Franziskus in seinem Sonnengesang. Dieses erste Gedicht in altitalienischer Sprache entsteht 1225 unter denkbar ungünstigen Bedingungen. Geschwächt von Krankheit, fast erblindet durch ein schweres Augenleiden wird Franziskus bei der Kirche von San Damiano gepflegt.

Doch die tiefe innere Freude lässt ihn einen Lobgesang auf die Schöpfung verfassen. Da er über der Erde und allen Geschöpfen den gemeinsamen Ursprung, den Vater-Gott sieht, kann er alles, was geschaffen ist, als Schwestern und Brüder ansprechen. Alles lebt aus dem gleichen Ursprung, ist miteinander verbunden, eine Sichtweise der ganzheitlichen Geschwisterlichkeit. Die Nennung der Urelemente Sonne, Mond, Erde, Wasser und Wind verweist auf die Lebensgrundlagen aller Geschöpfe. Die Mutter Erde wird als Schwester angesprochen, die die Geschöpfe trägt, erhält und auch regiert. Das ist bezeichnend für die franziskanische Sicht von Regierung und Herrschaft, es geht um einen grundlegenden Dienst, der das Leben aller ermöglicht.

AdventsZeit 2016 (c) Heiko Wrusch

Lesen Sie hier die aktuelle Ausgabe der AdventsZeit 2016.

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