(c) Robert Boecker

Der Pulsschlag des Domes

  • 16.03.18 13:02
  • Robert Boecker
  •   Im Auftrag des Herrn

Peter Füssenich, der Kölner Dombaumeister, und mit ihm alle seine Vorgänger im „schönsten Amt, das in der Stadt Köln zu vergeben ist“, haben seit dem Wiederbeginn der Bauarbeiten zur Vollendung des Doms im Jahre 1842 einen starken Partner an ihrer Seite. So fraglich es ist, ob die Welt wirklich untergeht, wenn der Dom fertig ist, so sicher ist, dass er „niemals nie“ vollendet worden wäre ohne den Zentral-Dombauverein (ZDV). Bis heute ist der Verein der größte Garant dafür, dass die Frauen und Männer der Dombauhütte jeden Tag in unterschiedlicher Art und Weise ihr großes Können bei der Erhaltung der Kathedrale unter Beweis stellen können.

Ein besonderer Valentinstag

Am 14. Februar dieses Jahres waren es 175 Jahre, dass der Dombauverein im Kölner Gürzenich seine Gründungsversammlung abhielt. Mehr als 4000 Kölnerinnen und Kölner kommen an diesem Tag in den Gürzenich, um den ersten Vorstand zu wählen. Während der Versammlung liegen Listen aus, in die sich neue Mitglieder eintragen können. Am Ende des Tages stehen 4832 Namen in der Mitgliederliste. Darunter auch der von Eva Maria Goyen. Sie ist das jüngste Mitglied und hat erst am Tag zuvor das Licht der Welt erblickt. Die Freude und die Zuversicht der Menschen, das große Werk der Vollendung des Doms anzugehen, sind gewaltig. Mit Genugtuung und Freude verfolgt viele Jahre später, im 18. Jahrhundert ein Mann, wie sein Lebensziel, für das er Jahrzehnte gekämpft hat, langsam Realität wird. Dieser Mann heißt Sulpiz Boisserée.

Ein Mann mit einer Vision

Als zweitjüngstes von elf Kindern wird Boisserée am 14. August 1783 in Köln geboren. Sein Vater ist Kaufmann. Sulpiz wächst in einer Stadt auf, in der hunderte Kirchen, Kapellen und Klöster existieren. Priester, Ordensfrauen und –männer bestimmen das Bild auf den Straßen Kölns. Der Dom steht seit Jahrhunderten als Torso da, prägt mit seinem großen Kran auf dem Stumpf des Südturms das Bild der Stadt und verfällt. Mit dem Einmarsch der Franzosen erlebt Boisserée 1794 den Tiefpunkt in der Geschichte des Doms. Das Gotteshaus wird zum Kriegsgefangenenlager und zum Pferdestall. Boisserée ist 20 Jahre alt als im Zuge der Säkularisation hunderte Kirchen und Kapellen aufgehoben und abgerissen werden. Gemeinsam mit seinem Bruder Melchior beginnt er, mittelalterliche Kunstwerke für kleines Geld zu kaufen: Der Grundstock für eine bedeutende Sammlung wird gelegt.

Ein Plan und ein Förderer

 (c) Robert Boecker

Boisserée lässt den Ist-Zustand des Doms sowie den angestrebten Endzustand zeichnen. Dann schickt er Kupferstiche, die er davon fertigen lässt, an einflussreiche Zeitgenossen. Es gelingt ihm, Goethe für sein Vorhaben zu gewinnen. Auch der romantikbegeisterte preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm, der spätere König von Preußen, lässt sich von Boisserée begeistern. Durch die von dem Publizisten Joseph Görres propagierte Idee, den Dom als deutsches Nationaldenkmal fertigzustellen, bekommt die Idee der Domvollendung weiteren Schwung.

In den 1830er Jahren wächst in Köln die Zahl der Menschen, denen die Fertigstellung des Doms ein wichtiges Anliegen ist. Schließlich unterzeichnen mehr als 200 angesehene Kölner Bürger eine Eingabe an den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. doch bitte das Statut für die Gründung eines Dombauvereins zu genehmigen, dessen einziger Sinn und Zweck es sei, „für die würdige Erhaltung und den Fortbau des Doms Gelder zu sammeln“. Am 8. Dezember 1841 setzt der dombegeisterte preußische König seine Unterschrift unter das Statut. Der Weg zur Vereinsgründung ist frei. Es ist der Beginn einer bis heute andauernden Erfolgsgeschichte, die ihren ersten Höhepunkt in der Vollendung des Doms am 15. Oktober 1880 hat. „Die armen Schelme vom Domverein“, denen Heinrich Heine, dessen anfängliche Begeisterung für die Domidee rasch schwand, in seinem Gedicht „Deutschland, ein Wintermärchen“ 1844 prophezeite, „er wird nicht vollendet, der Kölner Dom“ haben den Dichter eindrucksvoll widerlegt. Seit 175 Jahren sorgen sie eindrucksvoll dafür, dass „uns der Dom erhalten bleibt“.

AdventsZeit 2018 (c) Robert Boecker

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