Friseur Gerhard Selzener (c) Jan Sting

"Der Tisch ist für alle gleich gedeckt"

  • 10.08.16 11:04
  • Jan Sting
  •   Im Auftrag des Herrn

Gisbert Punsmann steht im Treppenhaus des Pfarrzentrums St. Paulus in Velbert und verteilt im Sekundentakt Märkchen: für den Friseur, die Fußpflege, Schuhe, Kleidung oder Rechtsberatung. Der Pastoralreferent und Caritasbeauftragte im Erzbistum Köln koordiniert mit rund 25 Ehrenamtlichen der katholischen Pfarrgemeinde St. Michael und Paulus den Wohlfühlmorgen für Flüchtlinge und sozial Benachteiligte. Fünf bis sechs Mal im Jahr besuchen an einem Samstagmorgen rund 150 Gäste das Zentrum, um sich mit einem Frühstück verwöhnen zu lassen. In einem Kleidermarkt können sie sich eindecken, die Haare schneiden lassen oder sonstige Angebote wahrnehmen, die ihnen mit einer kleinen Rente oder Hartz IV zu teuer wären.

Gott und die Welt

Elisabeth Gaya, die ursprünglich aus Kasachstan kommt, wartet mit ihrem Rollator in einem großen Pulk, bis sich um neun Uhr die Türen öffnen, hinter denen die Ehrenamtlichen schon Kaffee kochen, Brote schmieren, und die Tische mit Spielzeug, Kleidung und Haushaltswaren aufbauen. Flüchtlinge und Einheimische sind draußen bereits im Gespräch über Gott und die Welt, diskutieren Themen wie die Erziehung der Kinder und Enkel. Bekanntschaften sind entstanden, von denen die Besucher wie die Ehrenamtlichen gleichermaßen profitieren. Elisabeth Gaya bekommt als erste eine Fußpflege von Petra Zeidler. "20 Euro würde das sonst kosten. Die habe ich nicht", sagt die Seniorin. Petra Zeidler wiederum ist gelernte Fußpflegerin und bringt ihre Arbeitskraft ein. Punsmann arbeitet mit einem Pool von rund 35 Ehrenamtlichen, aber auch die Gäste packen mit an, helfen zum Beispiel beim Aufräumen.

Die Haarschere steht nicht still

Frühstück im Pfarrzentrum (c) Jan Sting

Schnell muss es mitunter gehen. So schneiden Gerhard Selzener aus Neviges und seine Mitarbeitern in drei Stunden gut 40 Gästen die Haare. "Nassschnitte sind da nicht drin", sagt Selzener. Seine Stammkunden in Neviges kommen an den Samstagen des Wohlfühlmorgens erst am Nachmittag.

Die Idee des multikulturellen Sozialprojekts stammt ursprünglich von den Maltesern und existiert seit gut 15 Jahren bereits in Köln und Düsseldorf. Seit drei Jahren ist die Gemeinde St. Michael und Paulus Träger des Projekts Wohlfühlmorgen in Velbert. "Es ist nicht alles Oase. Denn es geht trubelig zu und in der Warteschlange gibt es schon mal Streit. Aber für Leute, die kaum soziale Kontakte haben, ist es nett. Es gibt ein reichhaltiges Frühstück in schönem Ambiente. Flüchtlinge, Spätaussiedler und Sozialhilfeempfänger sitzen dabei an einem Tisch", sagt Punsmann und strahlt.

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