Angelo Guiseppe Roncalli (c) picturealliance_dpa

Der gute Papst - Johannes XXIII.

  • 03.12.16 21:12
  • Martin Mölder
  •   Im Auftrag des Herrn

27. April 2014: Tausende Gläubige sind nach Rom gekommen, um der Heiligsprechung zweier ehemaliger Päpste beizuwohnen. Der Petersplatz ist voll. Bis in die Via della Conciliazione stehen die Menschen, um von diesem besonderen Augenblick etwas mit zu bekommen und um diese beiden großen Päpste des 20. und frühen 21. Jahrhunderts zu feiern. An den Fernsehgeräten verfolgen Millionen Zuschauer, wie Papst Franziskus seine beiden Vorgänger im Amt, Papst Johannes Paul II.und Papst Johannes XXIII. auf eine Stufe hebt etwa mit dem heiligen Petrus, Paulus und Matthäus. Vatikan-Experten vermuten später, dass die meisten Menschen vor allem wegen Papst Johannes Paul II. gekommen sind. Ganz Polen feierte an diesem Tag seinen Karol Wojtyla.

Heilig ohne Wunder

Die meisten Italiener dagegen freuten sich für ihren Angelo Giuseppe Roncalli, der ohne Nachweis eines von ihm gewirkten Wunders heiliggesprochen wurde, und zwar „ex certa scientia“, übersetzt „gemäß sicherer Erkenntnis“. Das hatte unter den Konservativen während des Prozesses der Heiligsprechung Papst Johannes XXIII. zu vielen Kontroversen geführt. Sie verlangten wie bei Papst Johannes Paul II. und den meisten Heiligen der katholischen Kirchen zwei nachgewiesene Wunder. Dabei sind von früheren Päpsten bereits mehr als 30 Personen ohne diesen Nachweis heiliggesprochen worden, sondern aufgrund ihres Einflusses, den sie durch ihren standhaften Glauben ausübten und ihres „Rufes und der Zeichen der Heiligkeit“ (fama sanctitatis et signorum). Papst Johannes XXIII. hat übrigens selbst diese Form der Heiligsprechung praktiziert. Der ehemalige Sekretär Johannes XXIII., Monsignore Loris Capovilla, sagte einmal, dass dieser Papst „eine alltägliche, im normalen Leben praktizierte Heiligkeit“ habe. Grundgelegt in einem kleinen Bergdorf in der Nähe von Bergamo, wo Papst Johannes XXIII. am 25. November 1881 geboren wird.

Sotto il Monte

„Unter dem Berg“ - dieser Name beschreibt die Lage des Geburtsortes von Angelo Giuseppe Roncalli sehr treffend. Dass kurz vor dem 1. Advent 1881 hier in einem kleinen Haus ein zukünftiger Papst geboren wird, ahnt Mama Marianna Mazzola damals ebenso wenig wie Papa Battista Roncalli. Ihr Sohn Angelo Giuseppe ist bereits ihr viertes Kind, weitere neun sollen noch folgen. „Ich hatte die Gnade, in einer christlichen, bescheidenen, armen, gottesfürchtigen Familie geboren und zum Priestertum berufen worden zu sein. Seit meiner Kindheit hatte ich nichts anderes im Sinn.“ So beschreibt Papst Johannes XXIII. selbst seine Kindheit in seinen „Notizen für eine Biographie“, die er während seines Pontifikats schreibt. Vieles, was danach über die ersten Jahre dieses Papstes erzählt wird, sind idyllische Sagen und Legenden, urteilen sowohl der Neffe und Biograph des Papstes, Marco Roncalli, als auch Erich Kock, Publizist und Autor, der Roncalli persönlich kennen lernte. Beide erzählen die Geschichte dieses „Leute-Papstes“ (Erich Kock) wesentlich nüchterner. „Sotto il Monte ist ihm in seinem ganzen Leben gegenwärtig geblieben“, sagt Erich Kock im Interview mit „Glauben & Wissen“. „Der Papst hatte zu seiner Zeit in Venedig immer zwei Fotos von Sotto il Monte in seinem Schreibtisch. Er hat sich nie seiner bäuerlichen Herkunft geschämt. Er konnte mit einfachen Arbeitern reden und kurz danach mit hochrangigen Politikern und Würdenträgern diskutieren.“

Zwei Wegbereiter

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Angelo Giuseppe Roncalli ist nicht immer ein braver Junge. In der Volksschule fällt er auch als Lausbub auf, der Streiche ausheckt und auch mal Äpfel stiehlt. Nach seiner Kommunion und Firmung sind es vor allem Gemeindepfarrer Don Rebuzzini und der Patenonkel von Angelo Giuseppe, die ihn behutsam an den katholischen Glauben heranführen. Die entscheidenden Erfahrungen und spirituellen Begegnungen macht Roncalli aber im Internat.

Im katholischen Knabenseminar in Bergamo verbringt er seine Lebensjahr elf bis 18. Bereits mit 14 Jahren steht sein Entschluss fest, Priester zu werden. Er spürt, früher als die meisten anderen Jungen seines Seminars, dass das sein Weg ist. In sein Tagebuch schreibt er acht Jahre später, während seines Theologiestudiums in Rom: „Was wird in Zukunft aus mir? Werde ich ein tüchtiger Theologe, ein unbedeutender Jurist, ein Landpfarrer, ein einfacher, armer Priester?“ Sein Neffe Marco Roncalli berichtet später, dass Angelo Giuseppe Roncalli in die oben genannte Aufzählung ursprünglich auch schreibt: „Werde ich Bischof, ein Kardinal, ein Diplomat, ein Papst?“ Diese Zeilen streicht er wenig später jedoch wieder aus seinem Tagebuch.

Mehr über Papst Johannes XXIII. lesen Sie am 05.12.2016 hier im Blog „AusZeit“.

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