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Der gute Papst - Teil 2

  • 05.12.16 10:16
  • Martin Mölder
  •   Im Auftrag des Herrn

Am 18. Dezember 1903 wird Roncalli Diakon, ein Jahr danach darf er sich Doktor der Theologie nennen. Dann, am 10. August 1904 wird er von Bischof Giuseppe Ceppetelli in der Kirche Maria in Monte Santo in Rom zum Priester geweiht. Am nächsten Tag kommt es zur ersten Begegnung des Priesters Roncalli mit Papst Pius X. Ob der Papst höchstpersönlich angeordnet hat, dass dieser junge Priester Angelo Giuseppe Roncalli nicht erst mehrere Jahre in einer kleinen Gemeinde als Pfarrer seinen Dienst verrichten, sondern direkt eine höhere Laufbahn einschlagen solle, ist nicht eindeutig überliefert. Wohl aber, dass er auf Pius X. direkt Eindruck gemacht hat. Das Ergebnis: Kurz nach seiner Priesterweihe geht Roncalli zurück nach Bergamo und arbeitet zehn Jahre lang als Sekretär des Bischofs Radini-Tedeschi. Diese Zeit prägt Roncalli. Zum ersten Mal fährt er ins Ausland, u.a. ins Heilige Land, nach Polen und Frankreich, er lehrt im Priesterseminar, hält Vorträge, vor allem aber lernt er die Sorgen, Pflichten und die große Verantwortung des Bischofsamts kennen.

Militärseelsorger Roncalli

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Der 24. Mai 1915 markiert für den aufstrebenden Priester Angelo Giuseppe Roncalli einen einschneidenden Lebensabschnitt, denn an diesem Tag tritt Italien in den Ersten Weltkrieg ein. Roncalli wird ebenso wie seine Studenten im Priesterseminar eingezogen. Er muss jedoch nicht an die Front, sondern leistet seinen Kriegsdienst im Sanitärcorps der italienischen Armee ab. Im März 1916 wird er zum Militärseelsorger im Range eines Oberleutnants berufen. Fortan werden die Krankenhäuser und Lazarette rund um Bergamo zu seinem vorrangigen Arbeitsplatz.

Er steht den verwundeten Soldaten und Zivilisten aber nicht nur geistig und moralisch bei, sondern wann immer Not am Mann ist, und das ist fast dauernd der Fall, packt Roncalli selbst mit an. Er säubert und desinfiziert Wunden. Er legt Verbände an und hat keine Scheu, schwer verwundete Menschen anzufassen, denen Arme oder Beine abgetrennt wurden. Damals schreibt er: „Im Kontakt mit diesen Menschen merke ich, dass wir unbedingt sanft, nicht voll Zorn sein sollen. Wir brauchen einen langen Atem und müssen doch bereit sein, die Wahrheit klar zu sagen. (…) Wir benötigen etwas anderes als Donnerworte vom Himmel! Nämlich Nächstenliebe, Nächstenliebe und eine einfache, integre und liebevolle Wahrheit.“

Bischof und Diplomat

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Diese Haltung bewahrt sich Roncalli sein Leben lang, auch nach Ende des Ersten Weltkrieges, als er erst nach Rom und dann von Papst Pius XI. in die Diplomatenlaufbahn berufen wird. Gehorsam tritt er seinen Dienst zunächst als apostolischer Visitator in Bulgarien an. Vorher wird er am 19. März 1925 zum Bischof geweiht.

Sein Wahlspruch lautete: Oboedientia et Pax, übersetzt: Gehorsam und Friede. Aber er leidet zum ersten Mal unter diesem Gehorsams-Versprechen. Seinem Tagebuch vertraut er mehrfach an, dass er unglücklich ist und sehr unter den Mühlen der kirchlichen Verwaltung leidet, die ihn daran hindern, viel mehr als er möchte bei den Menschen zu sein. Ähnlich ergeht es ihm als Apostolischer Delegat in der Türkei und in Griechenland. Dennoch verrichtet er seinen diplomatischen Dienst in diesen Ländern zur vollsten Zufriedenheit auch des neu gewählten Papstes Pius XII., der ihn Ende 1944, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs zum Apostolischen Nuntius von Paris ernennt. Bereits nach kurzer Zeit fühlt sich Nuntius Roncalli in Paris pudelwohl. „Ich fühle mich bereits jetzt wie zu Hause, als sei mein armes, bisheriges Leben, die genau 20 Jahre im Orient eingeschlossen, nur eine Vorbereitung auf diese Aufgabe gewesen.“ Nach acht Jahren als oberster Diplomat des Vatikans in Frankreichs Hauptstadt folgt die vorletzte Station im Leben des Bischofs Angelo Giuseppe Roncalli.

Lesen Sie am 07.12., den dritten Teil unserer Serie zu Papst Johannes XXIII. Darin seine Wahl und die Idee zum Zweiten Vatikanischen Konzil.

AdventsZeit 2016 (c) Heiko Wrusch

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