Papst Johannes Paul II. mit seinem Attentäter (c) dpa_Bildarchiv

Der barmherzige und politische Papst

  • 22.07.16 13:26
  • Martin Mölder
  •   Im Auftrag des Herrn

Bereits ein Jahr nach seiner Wahl wird schon deutlich, dass Papst Johannes Paul II. sich einmischen, seine Stimme erheben und für die Rechte wie Freiheit und Frieden kämpfen wird. Da er auch gegen den Kommunismus predigt, ist er bei seiner ersten Polenreise 1979 seitens der polnischen Staatsführung nicht besonders willkommen. Das stört Papst Johannes Paul II. nicht besonders und seine Landsleute noch weniger, die in Scharen kommen. Insgesamt 10 Millionen Polen gehen in den acht Tagen auf die Straßen und zu den Open-Air-Gottesdiensten, um „ihrem“ Papst zuzujubeln. Und auch danach erhebt dieser mutige Papst immer wieder seine Stimme gegen Bevormundung und Unterdrückung des Volkes und gegen jede Form von Unfreiheit. Nicht wenige Politikwissenschaftler und Historiker sprechen diesem Papst einen ernst zunehmenden Anteil an der Wende in vielen europäischen Ländern zu. Die Arbeiterbewegung Solidarność in seinem Heimatland Polen und die Perestroika unter Michail Gorbatschow haben diesem Papst und seiner Unterstützung viel zu verdanken.

Das Attentat

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Vielleicht ist auch das ein Grund für das Attentat des Türken Ali Ağca, der am 13. Mai 1981 um 17:17 Uhr während einer Generalaudienz auf dem Petersplatz auf Papst Johannes Paul II. schießt. Das Oberhaupt der katholischen Kirche fährt in seinem offenen Papamobil durch die Menge der Gläubigen, als Ali Ağca aus nächster Nähe zwei Mal aus nächster Nähe Kugeln auf den Papst abfeuert.

Fünf Stunden operieren die Ärzte des Gemelli-Krankenhauses den Pontifex und entfernen die Kugeln aus der Schulter und dem Unterleib. Dabei müssen sie ein Stück des Darms entfernen. Bis heute sind die Hintergründe des Attentats nicht final geklärt. Dem zur Tatzeit in einer nationalistischen türkischen Organisation engagierten Papst-Attentäter Ali Ağca wird nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis eine schwere Persönlichkeitsstörung attestiert. Das Bemerkenswerte an diesem Attentat passiert nach dem Attentat. Drei Jahre später, im Dezember 1984 besucht Papst Johannes Paul II. den Mann im Gefängnis, der ihn töten wollte. Ali Ağca soll den Papst nach der Madonna von Fatima gefragt haben. Der Pontifex selbst glaubt fest daran, dass die Mutter Gottes ihm das Leben gerettet hat. Er sagt: "Eine mütterliche Hand hat die Flugbahn der Kugel geleitet".

Historische Momente

Papst Johannes Paul II. hat die katholische Kirche nicht revolutioniert. Er hat in Sachen Verhütung, Zölibat, Priesteramt für Frauen oder auch gemeinsames Abendmahl von Protestanten und Katholiken keine großartigen Reformen in Gang gesetzt. Aber er hat andere Maßstäbe gesetzt, historische: sein Besuch in einer Synagoge als erster Papst überhaupt und der darauf folgende intensive Dialog mit den Vertretern der jüdischen Religion, sein Besuch und Kniefall in Auschwitz, ebenso der im Heiligen Land, auch in Yad Vashem. Aber auch Audienzen mit Palästinenserführer Jassir Arafat und dem iranischen Präsidenten Mohammed Chatami. Papst Johannes Paul II. initiiert das erste interreligiöse Friedenstreffen im Oktober 1986 in Assisi, das seine Nachfolger wiederholen und er ist der Erfinder des Weltjugendtags. Am 2. April 2005 stirbt er nach langer, schwerer Krankheit. Der gute Hirte geht zu seinem Herrn und darf sich nun in den Reigen der anderen Heiligen einreihen.

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