Papst Johannes Paul II. (c) dpa_Fotoreport_epa-Afp_Gabriel-Bouys

Der gute Hirte

  • 20.07.16 09:30
  • Martin Mölder
  •   Im Auftrag des Herrn

Dies ist die Geschichte von einem Jungen, der ohne Mutter aufwuchs und es ist auch die Geschichte von einem Dichter und Philosophen. Dies ist die Geschichte von einem sportbegeisterten jungen Torwart und seinem frommen Vater. Es ist aber auch die Geschichte von einem charismatischen Priester und Weihbischof. Dies ist die Geschichte vom Reise- und Rekord-Papst und es ist die Geschichte von einem tiefgläubigen und zu seinem Lebensende hin schwer kranken Mann.

Karol Jósef Wojtyla wird am 8. Mai 1920 in Wadowice bei Krakau geboren. Er ist das dritte Kind seiner Eltern Emilia und Karol, das Nesthäkchen, denn bei seiner Geburt ist sein Bruder Edmund bereits 14 Jahre alt. Seine Schwester Olga stirbt wenige Wochen nach ihrer Geburt, sodass Karol erst Jahre später von ihr erfährt. Er durchlebt keine glückliche und unbeschwerte Kindheit, denn seine Mutter leidet bereits kurz nach seiner Geburt immer wieder an verschiedenen Krankheiten, ausgelöst durch eine Herz- und Nierenschwäche. Teilweise gelähmt stirbt sie als Karol neun Jahre alt ist. "Der Tod meiner Mutter ist mir tief im Gedächtnis geblieben, und vielleicht noch mehr der Tod meines Bruders, wegen der tragischen Begleitumstände und weil ich schon reifer war", sagt Karol Wojtyla später.

Schicksalsschlag mit zwölf

Karol Józef Wojtyla als 12-Jähriger (c) dpa_Bildarchiv

Sein Bruder stirbt als junger Assistenzarzt mit 26 Jahren an Scharlach. 1932 gibt es nur noch Karol und seinen Papa. Und trotz all dieser Umstände, so berichten Biografen des späteren Papstes, hat der junge Karol wohl viel Liebe, Wärme und Güte in seiner Kindheit und Jugend erfahren, auch und vor allem durch den Vater. Vater Karol betet oft und viel und lange, auch während der Zeit des Studiums der Philosophie und polnischen Literatur seines Sohnes in Krakau, wohin er ihn begleitet und mit ihm zusammen wohnt. In diese Zeit fällt auch der Überfall und Einmarsch Hitlers in Polen und damit der Beginn des Zweiten Weltkrieges.

1940 verschlechtert sich der Gesundheitszustand Karols Vaters und er wird bettlägerig. Die Universität wird geschlossen und um der Deportation durch die Nazis zu entgehen, schuftet Karol als Zwangsarbeiter in einem Steinruch und später einer chemischen Fabrik. Eines Tages, im Februar 1941, kommt er nach Hause und findet den Vater tot vor. Mit 20 Jahren ist er plötzlich allein. Im Rückblick formuliert es Karol Wojtyla einmal so: "Es war mir irgendwie, als würde ich dem Boden entwurzelt, auf dem bis dahin mein Menschsein gewachsen war. Dabei handelte es sich aber nicht um einen rein negativen Prozess. Denn gleichzeitig erschien vor meinem Bewusstsein immer klarer ein Licht: Der Herr will, dass ich Priester werde."

Der Ruf Gottes mitten im Krieg

Karol Józef Wojtyla (c) dpa_Bildarchiv

1942 beginnt er sein Priesterstudium, heimlich und im Untergrund. Die Vorlesungen finden oft nachts und an verschiedenen Orten statt. Erst 1946, nach Ende des Krieges, kann Karol Wojtyla in Krakau seine Priesterweihe empfangen. Kurz darauf geht er nach Rom, um an der Päpstlichen Universität weiter zu studieren.

In den nächsten zehn Jahren dominieren Forschung und Wissenschaft der Theologie das Leben des Priesters Karol Wojtyla. Er promoviert noch in Rom und parallel zu seiner seelsorglichen Arbeit daheim in Krakau mit Studenten in den 1950er Jahren schreibt er seine Habilitation und übernimmt eine Professur für Moraltheologie und Sozialethik am Großen Seminar von Krakau und an der Theologischen Fakultät von Lublin. Karol Wojtyla macht sich akademisch und theologisch einen Namen und ist zudem ein Seelsorger zum Anfassen. Das spricht sich rum, bis nach Rom und führt dazu, dass er innerhalb von nur fünf Jahren die kirchlichen Hierarchiestufen "Bischof und Erzbischof von Krakau" erklimmt.

Dazu am 21.07. mehr in unserem zweiten Teil über Papst Johannes Paul II.

AdventsZeit 2016 (c) Heiko Wrusch

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