Deutschkurs für Flüchtlinge in Bonn (c) Joachim Rieger

Deutschkurse für Flüchtlinge

  • 22.09.16 10:27
  • Martin Mölder
  •   Im Auftrag des Herrn

Mustafa ist 44 und kommt aus Aleppo, der Stadt im Norden Syriens, in der nahezu kein Stein mehr auf dem anderen steht. Er ist mit seiner Frau und seinen sechs Kindern geflohen. Nach Deutschland konnte er nur drei seiner Kinder mitnehmen. Er vermisst die anderen, dennoch ist er dankbar, so wie die anderen 16 Teilnehmer des Deutsch-Sprachkurses in Bonn. „Ich fühle mich sicher und frei hier“ sagt Saad, wie Mustafa aus Syrien stammend, „ich will gutes Deutsch lernen“. „Sie sind sehr fleißig“, lobt Kurslehrerin Maysaa Najeeb ihre internationale Gruppe von Flüchtlingen, für die das katholische Bildungswerk Bonn diesen Sprachkurs anbietet. Neun Syrer, sechs Iraker, ein Algerier und ein Mann aus Ghana lernen hier gemeinsam. Ein Zahnarzt ist dabei, ein Kieferorthopäde und ein Hoch- und Tiefbauingenieur. Sie alle wollen nur eins: in Deutschland bleiben und möglichst schnell die Sprache mit „der schwierigen Grammatik“ lernen, wie Saad es ausdrückt.

Kostenfreies Bildungsangebot

Das Bildungswerk der Erzdiözese Köln e.V. mit seinen elf Bildungswerken und neun Familienbildungsstätten hat Sprachförderangebote für Flüchtlinge zu einem seiner Schwerpunkte gemacht. Neben den offiziellen Integrationskursen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), die nur Flüchtlinge besuchen dürfen, die das Asylverfahren erfolgreich durchlaufen haben, bietet das Katholische Bildungswerk auch den Flüchtlingen hochqualifiziertes und kostenfreies Sprachförderangebot an, denen der Zugang zu staatlich gefördertem Sprachunterricht verwehrt bleibt. Im Jahr 2015 haben die rund 370 Sprachförderangebote rund 6200 Flüchtlinge besucht. Das Angebot umfasst niedrigschwellige Kurse zur Erstorientierung, aber auch Alphabetisierungskurse, außerdem Anfänger- und Fortgeschrittenenangebote in Deutsch. In allen Angeboten wird die Sprachvermittlung alltags-, sozialraum und lebensweltorientiert umgesetzt. Und: Dank vieler Kooperationspartner und den Pfarrgemeinden können die Sprachkurse bei den Menschen vor Ort stattfinden. So wie im Pfarrheim der Gemeinde St. Johannes Baptist und Petrus in Bonn.

Vier Krankheiten, ein Medikament

 (c) Joachim Rieger

Maysaa Najeeb ist 2007 nach Deutschland gekommen, geboren ist sie in Bagdad. Seit Anfang des Jahres unterrichtet die ausgebildete Tierärztin hier und fordert einiges von ihren Teilnehmern. „Welches Wort passt nicht zu den anderen? Übelkeit, Husten, Fieber, Schmerzen, Tablette“, fragt sie. Elie meldet sich, liest die Worte noch einmal vor und sagt dann richtig: „Tablette“. Um sicher zu gehen, dass alle wirklich wissen, welche Bedeutung die einzelnen Worte haben, fragt Maysaa Najeeb zwischendurch immer mal wieder, wie die deutschen Worte auf Arabisch heißen. Danach geht es aber direkt auf Deutsch weiter. „Mein Lieblingswort ist übrigens Deutschland“, sagt Zaid, und „tschüss“.

AdventsZeit 2016 (c) Heiko Wrusch

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