Die Geburt von Paul Gauguin (c) pa_Artcolor_A.-Koch

Die Geburt - Paul Gauguin, 1896

  • 04.03.17 17:56
  • Martin Mölder
  •   Kultur und Kirche

„Te tamari no atua“ lautet übersetzt eigentlich "Kinder Gottes". Aber Kunstexperten sind sich darin einig, dass es um ein einziges "Kind Gottes" geht. Die Inspiration zu einem seiner bekanntesten Werke lieferte Paul Gauguin ein sehr persönliches und tragisches Erlebnis Ende des Jahres 1896. Damals gebar das tahitianische Mädchen Pahura, das mit ihm zusammenlebte, ein Kind, das nach wenigen Tagen starb. Dieses Erlebnis hat Gauguin in seinem Bild verarbeitet. Der baldige Tod des Neugeborenen ist durch die Frau mit der schwarzen Kappe, die meist als Hebamme interpretiert wird und den Engel hinter ihr angedeutet. Die Hebamme ähnelt in ihrem Erscheinungsbild dem Totengeist der Tahitianer. Das tote Kind erwartet jedoch nicht die Dunkelheit, sondern wird dem Engel übergeben. Die Figur des Engels, der Raum, der an das Innere eines Stalls erinnert und die angedeuteten Heiligenscheine von Mutter und Kind lassen die Interpretation zu, dass Gauguin eine Analogie zur Geburt Jesu im Stall von Bethlehem schaffen wollte.

Religiöse Bezüge

Interessant ist für Kunstliebhaber und Gauguin-Kenner, dass diese Anspielung sich weder durch eine besondere Frömmigkeit des Malers erklärt. Und auch eine Art missionarische Absicht, die Eingeborenen Tahitis zum Christentum zu bekehren, passt nicht in die Biografie Gauguins. Stattdessen möchte Gauguin durch diese Parallele zur Weihnachtsgeschichte die Bedeutung seiner Botschaft vom Wert des Lebens steigern, sagen die einen. Andere wiederum sehen in Gauguins Auseinandersetzung mit religiösen Themen auch in Bildern wie „Der Kampf Jakobs mit dem Engel“ (1888) oder auch „Der Geist der Toten wacht“ (1892), eine heftige Kritik an der reichen, Amtskirche, der er das Bild eines reinen, unverdorbenen Christentums der Armen entgegen hält. Mit seinen Südsee-Motiven wurde Gauguin erst wirklich berühmt. Mit ihren leuchtenden Farben, der üppigen Pflanzenwelt, den bunt- und leichtbekleideten Menschen vermittelt Gauguin in vielen Bildern so wie in „Der Geburt“ die Wirklichkeit eines exotischen Paradieses, das der Maler sich immer erträumt, aber in der Realität vergeblich gesucht hatte.

Paul Gauguin

Paul Gauguin (c) picturealliance_akg-images

Eugène Henri Paul Gauguin wurde am 7. Juni 1848 in Paris geboren. Er verbrachte weite Teile seiner Kindheit mit seiner Mutter und seiner älteren Schwester in Lima, in Peru. Nach einer Laufbahn bei der Marine und einer Anstellung in einer Bank fand Gauguin erst im Jahr 1876 zur Malerei. Da war er bereits 37 Jahre alt. 1882 beschloss er nach Studien zahlreicher impressionistischer Künstler, darunter Edgar Degas, Pierre-Auguste Renoir und Édouard Manet und Unterricht bei renommierten Malern des 19. Jahrhunderts sich ganz auf das Malen zu konzentrieren. Im April 1891 kam Paul Gauguin nach Tahiti. Er starb am 8. Mai 1903 in Atuona auf Hiva Oa, in Französisch-Polynesien.

AdventsZeit 2016 (c) Heiko Wrusch

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