(c) Verlag

Die Gottessucherin - ein Buch so aktuell wie nie

  • 19.08.19 13:27
  • Martin Mölder
  •   Kultur und Kirche

Wir schreiben das Jahr 1497. Auf dem größten Platz der portugiesischen Hauptstadt Lissabon werden tausende Juden zusammengetrieben, um sie zu taufen – unter Zwang. Wer nicht einwilligt, mit Wasser und Kreuzzeichen im Akkord zum Christen getauft zu werden, wird getötet. Die Mutter der Protagonistin des Romans, Gracia Nasi, wird zwangsgetauft und überlebt so das Massaker. Gracia heiratet später einen der bedeutendsten Kaufleute der damaligen Zeit und wächst immer mehr in das Handelsgeschäft ihres Mannes hinein. Allein das Vortäuschen der Einhaltung christlicher Verhaltensweisen, wie Gebete und der Gottesdienstbesuch widerstrebt ihr als gläubige Jüdin zutiefst.

Beginn einer Odyssee

Jahrelang lebt Gracia mit ihrem Mann und Tochter Reyna das Leben reicher Kaufleute. Als ihr Mann stirbt, emigrieren Mutter und Tochter nach Antwerpen. Gracia übernimmt das Handelsimperium ihres Mannes und damit der Familie Mendes. Sie baut aber nicht nur die Macht und das Vermögen der Familie aus, sondern beginnt mehr und mehr Juden bei der Flucht aus Portugal zu helfen und so vor der immer näher kommenden Bedrohung der Inquisition zu retten. Innerhalb der jüdischen Gemeinde spricht sich die Wohltätigkeit Gracias schnell rum und bald sehen auch führende Rabbiner in ihr „die neue Esther“, die das jüdische Volk befreit und in das gelobte Land führt. Allerdings verfolgen Sie und ihre Familie weiterhin die fanatischen Katholiken rund um den neuen Großinquisitor Cornelius Scheppering. Selbst die weiteren Wohnsitzänderungen Richtung Ancona und schließlich sogar unter dem Schutz des Sultans höchstpersönlich nach Konstantinopel können die Familie Gracias nicht vor weiteren Schicksalsschlägen bewahren.

Von wahren und tragischen Helden

 (c) Rieke Penninger

Peter Prange beschreibt in seinem Roman eine historisch nachweisbare Frau. Gracia Mendes Nasi hat von 1510 bis 1569 gelebt und tatsächlich als einflussreiche Geschäftsfrau vielen hundert Juden bei der Flucht geholfen. Die Geschichten, Liebesbeziehungen, Tragödien und Schicksale rund um die Familienmitglieder der Familie Nasi sind packend geschrieben und lassen den Leser auch aufgrund der immer fast fühlbaren Gefahr, die durch die katholische Kirche und die beginnende Inquisition das Leben gläubiger Juden im 16. Jahrhundert bedroht, nicht los. „Die Gottessucherin“ ist ein packender, spannender Roman.

Und nicht zuletzt durch die beschriebene Flüchtlingsproblematik topaktuell, denn so wie das Rettungsschiff“ Open Arms“ zur Zeit nicht in Lampedusa anlegen kann, wird genau das auch immer wieder den Handelsschiffen der Firma Mendes untersagt und die Flüchtlinge im Bauch des Schiffes müssen unter unmenschlichen Bedingungen lebend auf Rettung warten.

SommerZeit 2019 (c) Robert Boecker

Lesen Sie hier die aktuelle Ausgabe der SommerZeit 2019.

Zur SommerZeit 2019 »