(c) Lars Schäfers

Die Kathedrale von Mexiko City

  • 18.01.22, 15:22
  • Lars Schäfers
  •   Glaubensmagnete

Die „Catedral Metropolitana de la Asunción de María de la Ciudad de México“ ist die größte und älteste Kathedrale in ganz Amerika. Sie ist der Sitz des Erzbischofs der nach wie vor stark vom Katholizismus geprägten Metropolregion. Den Grundstein legte am heutigen Zentralplatz, dem Zócalo, im Jahr 1524 angeblich Hernán Cortés, der Protagonist der spanischen Kolonialisierung. Zuerst sorgte er jedoch gemeinsam mit seinen Conquistadores für die fast vollständige Zerstörung Tenochtitlans, Hauptstadt des Aztekenreiches und damals größte Stadt des frisch entdeckten amerikanischen Kontinents. Heute sind die wenigen Überreste der einstigen Aztekenmetropole fast vollständig von der riesigen mexikanischen Hauptstadt überbaut.

Monumental und majestätisch

 (c) Lars Schäfers

Die Kathedrale wurde ab 1573 im Südwesten des ehemaligen aztekischen Tempelbezirks errichtet – bezeichnenderweise wurden die Steine des ehemaligen Templo Mayor in das christliche Sakralgebäude eingebaut. Erst 1667 konnte sie eingeweiht werden und erst 1813 wurde sie endgültig fertiggestellt. Problem war, dass das Kirchengebäude immer wieder in den See abzusinken drohte, auf dem sie gebaut wurde. Durch die lange Bauzeit ist die Kathedrale architektonisch geprägt von einer meisterhaften Melange aus Renaissance, Barock und Klassizismus. Am augenfälligsten ist aber das üppige Barock, insbesondere in Form des gigantischen Altars der Könige.

Die Kathedrale ist geradezu ein Paradies sakraler Kunst und Architektur: 16 Kapellen, immer wieder Goldbeschichtungen und Kunstwerke, Reliquien und mexikanische wie vatikanische Flaggen entdeckt man hier. Wenn man in dieser Kathedrale vor dem gigantischen, goldglänzenden Altar der Könige steht, meint man den Triumphalismus der ersten hier missionierenden Katholiken nachspüren zu können. Im Bewusstsein der historischen Geschehnisse ist dies ein beklemmendes Gefühl, bedenkt man, dass die damalige Missionierung und Katholisierung Mexikos, für die die Kathedrale archetypisch steht, von so viel Leid, Gewalt und Zerstörung begleitet wurde. Ein trauriges Kapitel der Christentumsgeschichte, das man an diesem Ort sofort mit ins Gebet nehmen möchte.

Marienverehrung auch hier

 (c) Lars Schäfers

So ist dieses einzigartige Gotteshaus ein faszinierender Ort sowohl der Besinnung auf Gottes Größe und Schönheit, die sich in der monumentalen Sakralarchitektur spiegelt, als auch des Gedenkens an das dunkle 16. Jahrhundert, als der katholische Glaube den damaligen Einwohnern Mexikos mit Schwert, Blut und Krankheitserregern gebracht wurde. Von daher wundert es nicht, dass auch der „Virgen de Guadalupe“ in der Kathedrale genauso wie in so vielen Kirchen Mexikos ein würdiger Platz bereitet wurde, steht diese innigst verehrte Darstellung der Jungfrau Maria für viele, insbesondere Indigéne, doch für die hoffnungs- und liebevolle Seite des christlichen Glaubens. 

SommerZeit 2022 (c) Robert Boecker

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