(c) Klais

Die Königin der Instrumente

  • 07.02.17 14:34
  • Martin Mölder
  •   Kultur und Kirche

Wer die Werkstatt der Familie Klais betritt und in der Schreinerei landet, bekommt noch nicht unbedingt eine Ahnung davon, dass hier Orgeln für den Dom und die Philharmonie in Köln aber auch für die Petronas-Türme in Kuala Lumpur gefertigt werden. Verschiedene Sägen stehen hier und auch fest montierte Holzbohrer. Früher, zur Zeit des Firmengründers Johannes Klais, liefen sie noch mit Dampf. Computer und Grafikprogramme waren damals reine Utopie. Das Material für die Orgeln ist aber zum Teil dasselbe wie 1882, als die Erfolgsgeschichte der Firma Klais begann: Holz von Eichen und Fichten, Zinn für die Pfeifen, Leder für die Blasebalge im Inneren der Orgel. Selbst der Kleber ist der gleiche wie vor 131 Jahren, Leim aus Rinderknochen. Der hält am längsten, kann aber jederzeit mit Wärme wieder aufgeweicht werden. Das Holz lässt der heutige Geschäftsführer Philipp Klais nur bei abnehmendem Mond schlagen. Dann ist die Wahrscheinlichkeit am Größten, dass der Todfeind der Orgel, der Holzwurm, es sich nicht in den Stämmen gemütlich gemacht hat. Die Bäume tragen zu dieser Zeit nämlich am wenigsten Flüssigkeit in sich.

Eigene Schreinerei und Gießerei

Ein Stockwerk über der Schreinerei hängen Känguru-Häute aus Australien über Holzstangen. „Die nehmen wir für Orgeln in klimatisierten, trockenen Räumen. Sie vertragen das besser als Schafs- oder Ziegenleder“, erklärt Philipp Klais, während er prüfend einem seiner Handwerker über die Schultern, der am Spieltisch einer neuen Klais-Orgel gerade die Scharniere festdreht. „Spieltisch“ wird der Platz des Organisten genannt und damit der Platz, an dem er die Tastaturen und Fußpedalen bedient, die Register zieht und so die Königin zum Klingen bringt. „Für den Orgelbauer ist die wichtigste Quelle seines Schaffens Respekt. Respekt vor dem Raum, vor der Musik, vor dem Interpreten“, sagt Philipp Klais, bevor er die Gesamtkonzeption einer neuen Orgel skizziert.

Einmalige Königinnen

Jede Klais-Orgel ist ein Unikat, speziell für den Raum gefertigt, in dem sie erklingt. „Unsere Instrumente breiten einen Klangteppich im Gottesdienst aus, der den Menschen dieses unglaubliche Gefühl gibt, mitsingen zu können. Auch wenn ihre eigenen Stimmen nicht ganz perfekt sind,“ sagt Philipp Klais. „Unglaublich“ ist sowieso eines seiner Lieblingsworte. Unglaubliche Kathedralen und Konzertsäle und dadurch unglaubliche Herausforderungen, in diese Räume die perfekte Orgel hinein zu bauen. „Eine unglaublich spannende und reizvolle Arbeit ist das,“ sagt Philipp Klais und der Zuhörer glaubt ihm jedes Wort.

Damit eine Orgel in Paris auch leicht französisch klingt, eine in Madrid leicht spanisch oder eine in Rom leicht italienisch. Wenn er jedoch nach seiner Lieblingsorgel gefragt wird und das wird er oft, antwortet er gerne mit seiner „Kinder-Metapher“: „Ich habe drei Kinder. Ich könnte Ihnen auch nicht sagen, welches davon ich am liebsten mag.“ Die Anekdote verrät viel über die Familie Klais und über den Stellenwert, den die Orgeln in ihrer Familie nach wie vor haben.

SommerZeit 2017

Lesen Sie hier die aktuelle Ausgabe der SommerZeit 2017.

Zur SommerZeit 2017 »