Olympiapfarrer Thomas Weber (c) picture alliance Frank-May

Die Olympiamannschaft ist wie eine Gemeinde auf Zeit

  • 04.08.16 09:33
  • Martin Mölder
  •   Nachgefragt

Herr Weber, das sind bereits ihre sechsten Olympischen Spiele. Was erwarten Sie von den 16 Tagen in Rio?

Die Olympischen Spiele, egal ob Winter- oder Sommerspiele sind wirklich ein besonderes, ein großes Fest für alle Teilnehmer – über alle nationalen, kulturellen und religiösen Grenzen hinweg. Ich freue mich und erwarte viele bereichernde Begegnungen und Gespräche. Gerade von der deutschen Mannschaft kenne ich mittlerweile ja auch einige sehr gut.

Warum ist die Präsenz eines Pfarrers wichtig für die deutschen Athleten?

Weil der Sport eben nur die eine Seite der Athleten und auch der Betreuer ist. Auch da gibt es immer wieder Gesprächsbedarf, zum Beispiel nach ganz bitteren Niederlagen, aber die Sportler haben eben auch manchmal Probleme jenseits des Sports, über die sie lieber vertraulich mit einer neutralen und eben auch geistlichen Person reden wollen als mit ihrem Kameraden oder mit ihrer Kameradin.

Olympiapfarrer Thomas Weber (c) Thomas Weber

Mit welchen Themen kommen die Sportler zu Ihnen?

Ich vergleiche die Olympiamannschaft immer mit einer Gemeinde auf Zeit. Und viele Themen, mit denen ich in meiner Gemeinde in Gevelsberg konfrontiert werde kommen auch hier vor. Das sind oft Themen wie Familie, Beziehungen, Glück und Freude, aber auch Themen wie Verlust und auch Sterben und Tod. Aber auch die Frage: Wie geht es nach dem aktiven Sport weiter? Manchmal erfahren wir in den persönlichen Gesprächen oft die halbe Lebensgeschichte der Sportler.

Bieten Sie auch liturgische Angebote wie Gebete oder Gottesdienst an?

Wir bieten unterschiedliche geistliche Angebot an wie Andachten und Gottesdienst, sowohl im Olympischen Dorf, als auch im Deutschen Haus. Da entsteht oft eine sehr dichte Atmosphäre habe ich immer wieder auch bewegende und sehr emotionale Momente erlebt und da sind des Öfteren schon Tränen geflossen. Tränen der Dankbarkeit, aber auch Tränen der Trauer.

Welche Rolle spielt Gott im Leben der Athleten?

Natürlich hat sich da in den vergangenen 40 Jahren viel verändert. Früher waren viele Athleten noch gläubig, die meisten davon katholisch und haben zum Teil mit Kirche noch was anfangen können. Das ist mittlerweile anders, ähnlich wie in unserer Gesellschaft insgesamt. Aber ich erlebe immer wieder, dass jemand sagt: Ach so, Sie sind Pfarrer, ich bin auch konfirmiert. Oder ich erinnere mich an ein Gespräch mit einer Medaillengewinnerin früherer Spiele, die sich fragte, ob das Glück, was sie hat, Zufall sei oder ob es eben doch einen Gott gibt, der Wege zeigt, beschützt und hilft.

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