Stephan Burger, Erzbischof von Freiburg (c) Misereor

"Die Welt ist voller guter Ideen. Lass sie wachsen"

  • 21.02.17 14:16
  • Ralph Allgaier
  •   Nachgefragt

Herr Erzbischof, MISEREOR stellt in diesem Jahr die Situation der Bevölkerung von Burkina Faso in den Mittelpunkt seiner Fastenaktion. Warum?

Wer sich mit der in Deutschland üblichen Art zu leben und zu wirtschaften auseinandersetzt, kommt gar nicht umhin, Bezüge auch zu Afrika herzustellen. Subventionierte Billigimporte etwa von  Milchpulver aus der EU sind in Burkina Faso mit Ursache für Armut und Hunger heimischer Viehzüchter, die der Konkurrenz aus Europa nicht standhalten können. Gleichzeitig gibt es hohe Hürden für den Export afrikanischer Güter nach   Europa. So können keine gerechten   Handelsstrukturen entstehen. Wir brauchen in Deutschland ein größeres Bewusstsein für solche Zusammenhänge. Ich bin davon überzeugt, dass viele Menschen ein einfacheres, weniger  konsumorientiertes Leben als ebenso bereichernd wie entlastend empfinden werden.

Was können wir von den Menschen in Burkina Faso lernen?

Dass man unter einfachsten Bedingungen und gegen viele Widrigkeiten sein Leben meistern  kann.  Diese Menschen zeigen uns, dass man mit Optimismus und Durchhaltevermögen, Ideenreichtum und Kreativität, aber auch sozialem Zusammenhalt und vielfältigen menschlichen Begegnungen auch schwierige Probleme lösen kann. Unsere Aufgabe sollte es sein, die Menschen Afrikas dabei zu  unterstützen, ihre eigenen Kräfte und Ressourcen für neue Innovationen nachhaltig und zielgerichtet nutzen zu können.

Wie hoffnungsvoll sind Sie, dass Sie Erfolg haben werden mit dieser Forderung?

Ich bin hoffnungsvoll, aber auch realistisch. Natürlich wird es auch Rückschläge geben. Auch die Bäuerinnen und Bauern der Bibel haben diese Erfahrung gemacht. Mit dem guten Samen wächst  oft  auch das Unkraut oder gar das Tollkraut, das den guten Samen zerstört. Am Anfang sind diese oft nicht eindeutig zu unterscheiden. Jesus sagt  deshalb: „Lass beides wachsen bis zur Ernte:“ Das Unkraut soll dann verbrannt, der gute Weizen in die Scheune eingebracht werden. Gute Ideen und  Innovationen muss man wachsen lassen, die nicht brauchbaren aussortieren, die Erfolg versprechenden weiterentwickeln und so die eigene Entwicklung vorantreiben.

Es braucht also viele kleine Schritte?

Genau. Viele kleine Innovationen sind Schritte, die sich nach biblischem Verständnis auf eine neue,  gerechte Gesellschaft hinbewegen. Die Bibel ist eine Anwältin dafür, nicht zu klein vom Menschen zu  denken, den großen Träumen der Menschheit eine Sprache zu  geben und mit Hartnäckigkeit an  ihrer Verwirklichung zu arbeiten. Mit Ihrer Spende helfen Sie mit, Menschen eine solche  Zukunftsperspektive zu schenken.

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