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Die Weltenseele in einem Buch

  • 09.05.17 21:32
  • Martin Mölder
  •   Kultur und Kirche

„Und wenn du etwas ganz fest willst, dann wird das gesamte Universum dazu beitragen, dass du es auch erreichst.“ Diese Frohe Botschaft zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch des brasilianischen Bestsellerautors Paulo Coelho. Und dieser Satz taucht an mehreren Stellen leicht verändert immer wieder auf. Überhaupt ist „Der Alchimist“ ein Buch der Sprüche mit einigen Parallelen und Anlehnungen zur Frohen Botschaft der Bibel. Zum Inhalt: Der junge Andalusier Santiago , der seinen Namen erst im Epilog des Buches bekommt und bis dahin nur „Jüngling“ genannt wird, träumt seit seiner Kindheit davon, die weite Welt kennenzulernen. Deshalb wird er nicht Priester und sesshaft, wie es sein Vater gerne hätte, sondern Schafhirte.

Träume als Wegweiser

Er träumt zweimal denselben Traum, in dem ihm ein Kind einen Schatz zeigt, der bei den Pyramiden versteckt ist. "Erst die Möglichkeit, einen Traum zu verwirklichen, macht unser Leben lebenswert", überlegt der und begibt sich auf die Suche nach dem Schatz. Von jetzt an passieren viele seltsame Dinge. Der Jüngling trifft einen alten, weisen Mann: Melchisedek, den König von Salem. Der König lehrt ihn, dass "unsere einzige Verpflichtung darin besteht, unseren persönlichen Lebensweg zu erfüllen". Danach erlebt der Jüngling auf seiner Reise alle Höhen und Tiefen des Lebens. Er wird betrogen, arbeitet hart und wird erfolgreich und wohlhabend. Dann schließt er sich einer Wüstenkarawane an und hört dort von einem jungen Engländer zum ersten Mal vom „Alchimisten“, einem Mann der angeblich Blei in Gold verwandeln kann.

Liebe und andere Zeichen

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In einer Oase lernt er die Liebe seines Lebens kennen, Fatima, eine Wüstenfrau. Er rettet die Bewohner der Oase dank einer Vision vor einem Überfall – und trifft den Alchimisten. „Und wie kann ich die Zukunft erahnen? Durch die Zeichen der Gegenwart“ – dieser Satz, vielleicht der zentralste und wichtigste im gesamten Buch, begleitet den Jüngling von nun an auf Schritt und Tritt. Er verlässt Fatima und damit die Sicherheit eines guten und wohlhabenden Lebens und macht sich mit dem Alchimisten auf den Weg zu seinem Schatz bei den Pyramiden in Ägypten. Auf dem Weg dorthin hat er neue Prüfungen zu bestehen, unter anderem muss er in die „Weltenseele“ eintauchen und zu Wind werden. Und tatsächlich gelingt ihm nicht nur das, sondern auch das Kunststück, Blei in Gold zu verwandeln.

Der Alchimist von Paulo Coelho ist ein philosophisches Buch. Und ein meditatives und ein fast schon biblisches. Noch vor dem Prolog lässt Paulo Coelho den Evangelisten Lukas zu Wort kommen (Lk, 10,38-42), der die Geschichte von Marta und Maria erzählt. Und viele andere Stellen mehr in Coelhos Roman erinnern stark an Zitate aus den Evangelien. Auch deshalb hinterlässt die Lektüre des Alchimisten viele Leser nachdenklich und verändert.

Alchemie keine reine Erfindung

Alchimisten gab es tatsächlich. Die Alchemie ist ein alter Zweig der Naturphilosophie und wurde im 17./18. Jahrhundert nach und nach von der modernen Chemie und Pharmakologie abgelöst. Oft wird mit Alchemie die Verwandlung von Blei oder ähnlichem in Gold verbunden. Ob das jemals gelungen ist, bleibt Sage und Legende. In der griechisch arabischen Alchemie waren die Urelemente Erde, Wasser, Luft und Feuer nach Empedokles bekannt, die für alle Umwandlung verantwortlich waren. Auf Aristoteles geht die Definition der vier Ureigenschaften warm, kalt, trocken, feucht zurück, die auch eine Entsprechung in der Alchemie hatten. Transmutation, also die Verwandlung auch eines Menschen ist der Kern der Alchemie. Auch die innere Verwandlung gehört dazu.

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