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Die geheimen Akten der Päpste

  • 05.06.17 20:47
  • Martin Mölder
  •   Kultur und Kirche

Eigentlich ist es ja „nur“ das persönliche Archiv der Päpste, denn das lateinische Wort „Secretum“ bedeutet so viel wie "zur alleinigen Verfügung". Aber die Bezeichnung „Archivium Secretum“ hat vor vielen Jahren bereits die vielleicht nicht ganz korrekte, aber sehr treffende Bezeichnung „Geheimarchiv“ im deutschen Sprachgebrauch geprägt. Denn geheimnisvoll war es, ist es und bleibt es. Und egal, mit welchen Kirchenhistorikern man spricht. Alle, die jemals das Vatikanische Geheimarchiv betreten haben, schwärmen von diesem Ort. Sie nennen ihn ehrfürchtig „das El Dorado für Wissenschaftler“, so wie der Münsteraner Kirchenhistoriker und Geheimarchiv-Kenner Prof. Hubert Wolf. Er glaubt sogar, ein neues Krankheitsbild bei sich und jedem seiner Studenten, die er einmal in diese geheimnisvolle Welt mitgenommen hat, diagnostiziert zu haben: den Geheimarchiv-Virus. Ein unheilbarer Virus, denn so Wolf. „wer sich damit einmal ansteckt, wird ihn nie wieder los.

Der Anfang vor 1500 Jahren

Ein Archiv mit wichtigen Dokumenten, die Ereignisse der Päpste dokumentieren, gab es wahrscheinlich schon im 5. Jahrhundert. Bis dahin reichen die ältesten Dokumente des Geheimarchivs zurück. Es gibt Aufzeichnungen darüber, dass dieses Archiv ab dem 7./8. Jahrhundert im Lateran, einem Teil Roms und dem früheren Papstsitz, aufbewahrt wurde. Aber damals gab es gleich mehrere Stellen, an denen wichtige kirchliche Dokumente lagerten. In verschiedenen Kirchen genauso wie in Klöstern und Privatarchiven verschiedener Bischöfe. Dennoch gab es immer wieder Bestrebungen, ein zentrales Archiv einzurichten. Nach wahren Odysseen der Akten, unter anderem im 14. Jahrhundert zum damaligen Papstsitz nach Avignon, kamen viele Dokumente buchstäblich unter die Räder, besser gesagt unter die Kutschenräder. Der Grund: Bischöfe, Päpste und Männer der Kurie fuhren mit Büchern und Briefen kreuz und quer durch Frankreich und Italien und dabei gingen etliche Dokumente für immer verloren. Bis ins 15. Jahrhundert hinein. Papst Sixtus IV. war es dann, der mit der Gründung der Vatikanischen Bibliothek ein Bewusstsein dafür schuf, dass es Sinn macht, bedeutende Dokumente gebündelt aufzubewahren. Ein Teil der Bibliothek wurde zu einer Art „Geheimbibliothek“ und war für das Archiv bestimmt. Sixtus IV. ließ besonders kostbare Dokumente jedoch in die benachbarte Engelsburg bringen. Ein Glück, denn bei der Plünderung Roms wurde die Engelsburg nicht eingenommen und die Urkunden und Briefe, die dort lagerten, blieben verschont.

Die ersten Archiv-Pioniere

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In den kommenden Jahren und Pontifikaten gewann die Idee eines Zentralarchivs immer mehr Freunde unter den Kirchenführern. Papst Julius II., Leo X. und später auch Pius IV., Gregor XIII. und Clemens VIII. beauftragten Archivare, möglichst viele Schriften, die den Heiligen Stuhl betrafen, zu sammeln und zu inventarisieren.

Das „Archivum Arcis Sancti Angeli“ in der Engelsburg wuchs bis zum Beginn des Pontifikats Papst Paul V. im Jahr 1605 beträchtlich. Und Paul V. setzte die Bemühungen seiner Vorgänger nicht nur fort, er machte ernst. Im Januar 1606 ordnete er an, dass alle Schriften des Heiligen Stuhls, die noch im Besitz verschiedener Personen waren unverzüglich in die Vatikanische Bibliothek oder ins Archiv in der Engelsburg gebracht werden sollen. Bei Nichtbefolgung dieser Anordnung drohte die sofortige Exkommunikation. Diese Drohung verfehlte ihre Wirkung nicht und so gelangte Paul V. an Dokumente, die bis dahin als verschollen galten oder gar nicht bekannt waren. Handschriften des Pontifex aus den Jahren 1611 und 1612 beweisen auch die Gründung des so genannten „neuen“ Archivs, denn darin befiehlt Paul V., sämtliche Dokumente von der Engelsburg in den Papstpalast bringen zu lassen.

Lesen Sie am 10.06. Teil 2 unserer Serie zum Geheimarchiv des Vatikan.

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