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Die göttliche Komödie

  • 14.03.17 22:08
  • Martin Mölder
  •   Kultur und Kirche

Eigentlich nicht. Mit einer Komödie im Sinne einer lustigen Geschichte, bei der es viel zu lachen gibt, hat „Die göttliche Komödie“ von Dante Alighieri wirklich nichts gemein oder aber der Leser dieses über 700 Jahre alten Meisterwerks italienischer Dichtkunst hat einen sehr eigenwilligen Humor. Dante Alighieri beschreibt in seiner „Comedia“, wie sie im Original heißt, seinen eigenen Gang in die Unterwelt als Akt der Läuterung, als noch Lebender zwar und begleitet vom römischen Dichter Vergil, aber "weil ich den rechten Weg verloren hatte" (I, 1,3). Mit Vergil zusammen durchschreitet Dante die Vorhölle, um dann in die insgesamt neun Kreise der Hölle (L'Inferno) vorzudringen. Ein zweifelhaftes Vergnügen, denn Dante Alighieri beschreibt mit seiner Sprachgewalt die Hölle so grausam und albtraumhaft martialisch, dass es schwerfällt, diese Bilder im Kopf wieder loszuwerden. Etwa wie im 3. Höllenkreis die Schlemmer im Kot liegen und der Höllenhund Cerberus sie mit dreifachem Maule zerfleischt. Oder im innersten Kern der Hölle, wo Lucifer höchst selbst die drei Verräter Judas, Brutus und Cassius zwischen den Zähnen zermalmt.

Erst die Hölle, dann das Fegefeuer

Nachdem die Hölle durchschritten ist, gelangen Dante und Vergil in das zweite Reich des Jenseits, ins Fegefeuer oder auch auf den Läuterungsberg, wie „Il Purgatorio“ später manchmal übersetzt wurde. Hier befinden sich die Toten mit den größten Sünden am Fuß des Berges. Auf dem Gipfel des Läuterungsberges, übernimmt dann Beatrice, eine engelsgleiche Frauengestalt die Führung Dantes. Mit ihr durch schwebt Dante das Paradies (Il Paradiso), wo er ganz zuletzt Gott selbst und seine Dreifaltigkeit erahnen darf. „Die Göttliche Komödie“ ist ein außergewöhnliches Werk der Weltliteratur. Außergewöhnlich schon aufgrund seiner enormen, der bildhaften, fast schon beängstigenden Sprachgewalt und seiner Form. Denn darin zeigt sich Alighieris Liebe zur Zahlensymbolik, vor allem die göttliche Zahl „3“ betreffend, die auch bei Dante Alighieri für Gott und seine Trinität, seine Dreieinigkeit steht. Es sind drei Reiche, es gibt drei mal drei, also neun Kreise in jedem Reich, jedes der drei Reiche wird in 33 Gesängen beschrieben und auch die Strophen sind sogenannte Terzine: drei Zeilen zu einer Einheit zusammengefasst, mit je einem Reim darüber hinausweisend. „Die göttliche Komödie“ ist das erste umfangreiche dichterische Werk in italienischer Sprache und bis heute ein Hauptwerk der italienischen Literatur, das man einmal gelesen haben sollte.

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