(c) Robert Boecker

Die guten Seelen des Kölner Doms

  • 14.06.17 11:00
  • Robert Boecker
  •   Kurz und Knapp

Genau am 14. Februar dieses Jahres waren es 175 Jahre, dass der Dombauverein im Kölner Gürzenich seine Gründungsversammlung abhielt. Mehr als 4000 Kölnerinnen und Kölner kommen an diesem Tag in den Gürzenich, um den ersten Vorstand zu wählen. Während der Versammlung liegen Listen aus, in die sich neue Mitglieder eintragen können. Am Ende des Tages stehen 4832 Namen in der Mitgliederliste. Darunter auch der von Eva Maria Goyen. Sie ist das jüngste Mitglied und hat erst am Tag zuvor das Licht der Welt erblickt. Die Freude und die Zuversicht der Menschen, das große Werk der Vollendung des Doms anzugehen, sind gewaltig. Und das im Wissen, dass es Jahrzehnte dauern wird, ehe der Abschluss des Vorhabens gefeiert werden kann. Die Begeisterung der Menschen für die Idee, den seit der Mitte des 16. Jahrhunderts unvollendet gebliebenen steinernen Riesenbau doch noch fertig zu stellen, ist im wahrsten Sinne grenzenlos. In den Tagen und Wochen nach der Gründungsversammlung in Köln, rufen Domfreunde nicht nur in ganz Deutschland Vereine mit dem Ziel ins Leben, Gelder zu sammeln, um das Bauwerk endlich fertigzustellen. Auch im Ausland tun sich Männer zusammen, um ihren Teil zu dem gewaltigen Vorhaben beizusteuern. In Paris ist es ein Kreis um den Dichter Heinrich Heine, der dort den „Pariser Hülfsverein“ gründet. Im Frühjahr 1843 initiieren deutsche Auswanderer in Mexiko einen „Filial-Verein“ zur Unterstützung des Dombaus.

Vision eines kölschen Jungs

 (c) Robert Boecker

Mit Genugtuung und Freude verfolgt in jenen Wochen und Monaten ganz besonders ein Mann, wie sein Lebensziel, für das er Jahrzehnte gekämpft hat, langsam Realität wird. Dieser Mann heißt Sulpiz Boisserée. Als zweitjüngstes von elf Kindern wird Boisserée am 14. August 1783 in Köln geboren. Sein Vater ist Kaufmann. 1803/4 studieren er und sein Bruder in Paris. Sie lernen dort den Gelehrten Friedrich Schlegel kennen.

Video: Einblicke in die Arbeit des ZDV

Dieser begeistert die jungen Kölner für die Gotik, dem Stil, in dem der Dom zu bauen begonnen wurde. Wieder in Köln, reift im Kopf des jungen Mannes ein irrwitziger Plan: „Wie wäre es, den Dom zu vollenden? „Ich begann leidenschaftlich von einem Werke zu träumen, welches dieses so traurig unterbrochene Denkmal deutscher Größe im Bilde vollendet darstellen sollte“, schreibt er später in seiner Biografie. Boisserée lässt den Ist-Zustand des Doms sowie den angestrebten Endzustand zeichnen. Dann schickt er Kupferstiche, die er davon fertigen lässt, an einflussreiche Zeitgenossen. Es gelingt ihm, Goethe für sein Vorhaben zu gewinnen. Auch der romantikbegeisterte preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm, der spätere König von Preußen, lässt sich von Boisserée begeistern. Der Weg zur Vereinsgründung ist frei. Es ist der Beginn einer bis heute andauernden Erfolgsgeschichte, die ihren ersten Höhepunkt in der Vollendung des Doms am 15. Oktober 1880 hat. „Die armen Schelme vom Domverein“, denen Heinrich Heine, dessen anfängliche Begeisterung für die Domidee rasch schwand, in seinem Gedicht „Deutschland, ein Wintermärchen“ 1844 prophezeite, „er wird nicht vollendet, der Kölner Dom“ haben den Dichter eindrucksvoll widerlegt. Seit 175 Jahren sorgen sie eindrucksvoll dafür, dass „uns der Dom erhalten bleibt“.

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