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Die interreligiöse Religion

  • 13.02.18 09:22
  • Martin Mölder
  •   Im Auftrag des Herrn

Einheit. Die sieben Buchstaben charakterisieren den Kern einer Religion, die es geschafft hat, allein in den vergangenen 60 Jahren die Zahl ihrer Anhänger zu verdreißigfachen. Und das hängt vor allem mit diesem Wort „Einheit“ zusammen, das die  Bahá’í weltweit verbindet. Die wichtigste Einheit, an die sie glauben ist die Einheit Gottes. Die Bahá’í sind eine monotheistische Religion, glauben also genau wie Juden, Muslime und Christen an den einen Gott, für den es in den verschiedenen Religionen lediglich unterschiedliche Namen gibt. Deshalb ist den Bahá’í auch die Einheit der Religionen so wichtig. Sie schlussfolgern: Wenn es nur einen Gott gibt, dann haben auch alle Religionen, die an diesen Gott glauben, etwas Gemeinsames, etwas Verbindendes und das muss größer sein als die trennenden Unterschiede. Religion soll Liebe und Einigkeit unter den Menschen schaffen. Streit und Zwietracht haben nichts mit einer Religion zu tun, wie die Bahá’í sie verstehen. Denn sie glauben schließlich auch an die Einheit aller Menschen, an eine Art Menschheitsfamilie, in der alle Kinder Gottes sind, egal wo sie geboren sind, welche Hautfarbe sie haben, welche Sprache sie sprechen und an welchen Gott sie glauben. „Die Propheten Gottes sollten als Ärzte angesehen werden, deren Aufgabe es ist, das Wohlergehen der Welt und ihrer Völker zu fördern, damit sie durch den Geist der Einheit das Siechtum einer entzweiten Menschheit zu heilen vermögen.“ Das hat Bahá’u’lláh, der Stifter der Religion der Bahá’í einmal gesagt.

Erst der Báb, dann Bahá?u?lláh

Bahá’u’lláh wurde als Mirza Husayn Ali Nuri am 12. November 1817 in Teheran, im Iran geboren. Seine Familie gehörte zu den wohlhabenden der Stadt, aber schon früh entschied er sich gegen Reichtum und Wohlstand und für ein Leben, dass Gott und den Menschen dienen sollte. Die gerade erst entstandene Bewegung des Babismus faszinierte den jungen Mann. 1844 hatte der Perser Seyyed Ali Muhammad Schirazi den Anspruch formuliert, der „Báb“ (arabisch: „das Tor“) zu sein. Und damit der Auserwählte, der nach dem damaligen Glauben der Schiiten, als Wegbereiter die Wiederkehr des so genannten „verborgenen Imam“ vorbereiten darf. Schnell gewann er viele Anhänger. Weil der Báb aber für den Islam absolut inakzeptable Forderungen, wie beispielsweise die Gleichberechtigung von Mann und Frau formulierte und eine grundlegende Reform des Islam anstrebte, wurde er verhaftet und 1850 öffentlich hingerichtet.

Ein blutiger Beginn

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Ein Jahr zuvor hatte der Báb den mittlerweile in der Bewegung sehr aktiven Mirza Husayn Ali Nuri zum Verwalter der Bábisten ernannt, der bis zu dem Tag die Bewegung führen sollte, bis der von allen erwartete Messias kommen würde. Nach dem Tod des Báb wurden seine Anhänger verfolgt, ins Gefängnis gesperrt oder getötet. Auch Mirza Husayn Ali Nuri, der später von seinen Anhängern den Namen Bahá’u’lláh (arabisch: „Herrlichkeit Gottes“) bekam, wurde 1852 in ein Verlies in Teheran gesteckt. Hier hatte er mehrere mystische Erlebnisse und Visionen, die er später im Exil in Bagdad nieder schrieb. Dorthin wurde er nach seiner Haft verbannt. Zehn Jahre verbrachte er dort und verkündete in einem Garten der Stadt zum ersten Mal seinen Anspruch, der von Gott Offenbarte zu sein

Kurz danach musste er wieder fliehen und landete in der Türkei. Erst in Istanbul, später in Edirne. Hier machte er 1866 seine Offenbarung endgültig öffentlich und schrieb als Glaubensführer Briefe an Napoleon III. und an Königin Victoria, in denen er sie aufforderte, für Frieden und Gerechtigkeit zu kämpfen statt Kriege zu führen. Ein Brief Bahá’u’lláhs war auch an Papst Pius IX. adressiert. Zu dieser Zeit eskalierte ein Streit mit seinem  Halbbruder Subh-i-Azal, der ebenfalls Ansprüche anmeldete, der von Gott Gesandte zu sein. Daraufhin wurde Bahá’u’lláh 1868 abermals verbannt und landete auf seiner letzten Station im heutigen Israel. In Akko, in der Nähe der Hafenstadt Haifa saß er zwei Jahre lang erneut in Haft und stand danach unter Hausarrest. 1892 starb Bahá’u’lláh in Bahji, nördlich von Akko.

Lesen Sie am 28.02. Teil 2 über die Religion der Bahá’í.

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