(c) Theresa Fehrenbach

Don Bosco Volunteers: Durch die Mienen von Potosí

  • 11.03.19 14:02
  • Theresa Fehrenbach

Unser Führer Pablo war um die 35 Jahre alt und arbeitete seit seinem 14. Lebensjahr in den Mienen. So wollte es die Tradition: Vater und Großvater waren auch schon Mienenarbeiter und so war es eine Ehre, den Mienenanteil der Familie zu wahren. Bevor wir aber die Mienen betraten brauchten wir nicht nur ein passendes Outfit, sondern auch eine leise Vorahnung und typische Mitbringsel. Trotz schlechter Qualität kann man es vielleicht erkennen: Dynamit, Sprengstoff und 96%iger Alkohol. Später sollten wir erfahren wofür. Endlich ging es los: Wir passierten den Eingang, der mit Lamablut bespritzt war und folgten Pablo ins Dunkle. Je tiefer es in den Stollen ging, desto enger und staubiger wurde es. Immer wieder hielten wir an, um uns Silberadern oder Zinkbestände zeigen zu lassen. Da wir nur zu dritt waren, konnte uns Pablo tatsächlich überall mit hinnehmen: Auf allen vieren stolperten die Finnin und ich ihm hinterher, kletterten Leitern hoch und rutschten auf Gesteinshaufen in den nächsten Gang. Und nun kamen unsere Mitbringsel ins Spiel: Wir trafen auf eine Zweiergruppe an Mienenarbeitern. Ich schätzte sie auf 60 Jahre, beide hatten Meißel in der Hand und waren dankbar über den Sprengstoff, welchen wir ihnen mitgebracht hatten. Pablo schien mit ihnen befreundet zu sein; sie sprachen Quechua, lachten und teilten sich den 96%igen Alkohol! Es waren immer nur ein paar Schluck und trotzdem war ich erstaunt, als Pablo wieder aufbrach und uns ohne Schwanken in den nächsten Tunnel leitete.

Harte Arbeit & eine geringe Lebenserwartung

 (c) Theresa Fehrenbach

Meine zittrigen Beine waren dankbar um die Pause, in denen wir ihn mit Fragen löchern durften. Und so begann er, Cocablätter kauend, zu erzählen: Seine Freunde sind keine 60, sondern 40 Jahre alt. Die meisten Mienenarbeiter beginnen schon als Kinder mit dem Beruf und werden im Durchschnitt nicht älter als 45. Eine Arbeitergruppe reicht von 2 bis 30 Männer, je nachdem wie reich das Gebiet an Mineralien ist. Es gibt einen Chef (der, der am längsten in den Mienen arbeitet) und seine Mitarbeiter. Mitarbeiter kann jeder werden: Entscheidet sich mein Bruder, ab morgen in den Mienen arbeiten zu wollen, ist das kein Problem!

Er braucht keine Papiere und keinen Arbeitsvertrag, er braucht lediglich einen Chef, der ihm das Arbeiten beibringt und in dessen Gebiet er helfen kann. Es gibt also keinerlei Kontrolle, wer wann arbeitet: Kinderarbeit ist gesetzlich verboten, doch wo muss man mit Sanktionen rechnen, wo keine Kontrolle herrscht?

Reiches Land, arme Menschen

Die Informationen prasselten nur so auf mich ein und trotzdem schien ich nicht zu verstehen: Wie kann es sein, dass Bolivien, so reich an Bodenschätzen, das ärmste Land Südamerikas ist? Wie kann es sein, dass Männer mit 45 Jahren ihr Leben lassen, um trotzdem kaum ihre großen Familien ernähren zu können (unser Führer hatte 16 Kinder)? Pablo erklärte uns, Bolivien sei nun mal ein korrupter Staat. Die Menschen da oben wüssten nicht welche Arbeit in den Mienen geleistet wird, deswegen würden sie so wenig zahlen. Innerlich lächelte ich traurig und dachte: Sie wissen ganz genau, wie es aussieht. Nur verschließen sie die Augen, denn das ist das einfachste und bringt den größten Gewinn.

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