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Don Bosco-Volunteers: „Es ist eine starke Motivation“

  • 25.02.19 13:11
  • Martin Mölder
  •   Nachgefragt

Jedes Jahr gehen rund 50 junge Menschen als Volunteers der Don Bosco Mission für ein Jahr ins Ausland. In 24 Ländern rund um den Globus absolvieren sie ihr Freiwilliges Soziales Jahr. Ulla Fricke ist Leiterin Bildung und Kommunikation bei der Don Bosco Mission in Bonn. Wir haben bei Ihr „nachgefragt“.

Frau Fricke, die Freiwilligendienste von Don Bosco haben eine lange Tradition. Warum ist Ihnen das Engagement der jungen Leute im In- und Ausland so wichtig?

Das geht schon zurück auf Johannes Bosco selber im 19. Jahrhundert. Ohne Ehrenamtliche wie seine Mutter und ältere Jugendliche, hätte das Don-Bosco-Werk nicht entstehen können. Die Hauptaufgabe unserer Volunteers können wir in einem Satz zusammenfassen: „Be with the boys/girls“. Die Freiwilligen sind ein ganz wichtiges Plus in der pädagogischen Arbeit. Sie haben mehr Zeit als die Mitarbeiter und können einzelnen Kindern gezielt Aufmerksamkeit schenken. Außerdem sind sie den Kindern vom Alter her näher, was sich in ihrem Denken und in den Interessen zeigt, da sind sie eine gute Brücke. Sie bringen mit ihrer Jugendlichkeit vielfach neue Impulse und Anregungen in die pädagogischen Teams - übrigens auch in unsere Büros in Bonn, München und Benediktbeuern, wo auch junge Menschen jedes Jahr ein FSJ machen. Und wir sind felsenfest überzeugt, dass ein solcher Freiwilligendienst die Persönlichkeitsentwicklung der Freiwilligen ganz zentral unterstützt

 

Welche Vorbereitung bekommen die angehenden Volunteers?

Wir haben insgesamt drei Vorbereitungsseminare in denen wir Themen wie Nähe und Distanz, interkulturelle Kommunikation, Grundlagen der Don Bosco Pädagogik etc. thematisieren. Viel Wert legen wir auf das Thema Krisenbewältigung. Unsere Freiwilligen arbeiten ja in den Projekten alle mit Kindern und Jugendlichen, was sehr fordernd ist, sind selber sehr jung und ohne eigene Arbeitserfahrung.  Da bleiben persönliche Krisen und Überforderungssituationen während des Dienstes nicht aus. Und im Sommer vor der Ausreise machen unsere Freiwilligen noch ein zweiwöchiges Praktikum in einer deutschen Don Bosco Einrichtung. Insgesamt dauert die Vorbereitung acht Monate

Wie begleiten Sie die Volunteers während ihres Einsatzes?

Heute ist es ja sehr leicht miteinander in Kontakt zu bleiben, via Whats app, Skype, Email etc. Unser Referent Wolfgang Kirchner hat sein Notfallhandy Tag und Nacht an- falls also Krankheiten oder Krisen auftreten, lösen wir das meist so. Dann gibt es vor Ort noch Mentoren, die als Ansprechpartner für die Anliegen der Freiwilligen fungieren. Und im Februar treffen wir alle Freiwilligen persönlich auf einem Zwischenseminar, das wir pro Kontinent durchführen. Diese sechs gemeinsamen Tage der Reflektion und des Austausches sind ganz wichtig.

Welchen Stellenwert haben die Eltern der Volunteers während des Jahres?

Einen großen! Das hat sich in den letzten 15 Jahren sehr verändert. Wir laden die Eltern vor der Ausreise zu unserem Entsendetag ein, damit sie uns als Team kennenlernen. Denn es ist für viele Eltern ja nicht leicht ihre grade 18jährige Söhne und Töchter ein Jahr ziehen zu lassen, oft in Länder die in den Medien sehr negativ oder problembeladen dargestellt werden. Während des Freiwilligendienstes sind es viele organisatorische Dinge, wie Bescheinigungen für die Krankenkasse, etc. die wir mit den Eltern regeln. Dadurch dass die Eltern heute über Whatsapp quasi täglich mit ihren Kindern kommunizieren, sind sie auch viel näher dran an kleineren Krisen, die wir gar nicht mitgeteilt bekommen.

Welche Rückmeldungen bekommen Sie von den Volunteers nach Ihrem Freiwilligendienst?

Die meisten sagen, sie hätten das intensivste, aufregendste und gleichzeitig anstrengendste Jahr ihres Lebens hinter sich. Vielleicht ist: „Ich hab so viel über mich gelernt“ die häufigste Rückmeldung. Und fast alle kommen sehr dankbar zurück, für ihre Familien und für unsere sozialen Sicherungssysteme in Deutschland. Aber sie sehen auch die deutsche Gesellschaft kritischer, die Unzufriedenheit der Menschen hier, mangelnde Solidarität, Konsumwahn etc. Und es ist eine ganz starke Motivation da, sich für die Eine Welt und globale Gerechtigkeit zu engagieren.

Demnächst lesen Sie hier im Blog "AusZeit" Erfahrungsberichte und Reportagen mehrerer Don Bosco-Volunteers.

Alle Infos zu den Volunteers gibt´s hier

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