(c) Nathalie Jelen

Durchkreuzer: Raum geben zum Sein

  • 20.06.22, 09:44
  • Nathalie Jelen
  •   Kurz und Knapp

Jetzt geht es los! Nach gut drei Jahren Planung und Bau ist der durchkreuzer fertig und das erste Festival steht an, das Hunteburger Open Air nördlich von Osnabrück. Wer wird da sein? Wie werden die Menschen reagieren? Was wird passieren? Es geht für mich raus aus der Komfortzone. Weder kann ich mich erinnern, einmal bewusst auf einem Festival gewesen zu sein, noch kann ich wirklich einschätzen, wem ich dort wirklich begegnen werde und wie diese Begegnungen verlaufen. Raum geben zum Sein, zum Erzählen, zum Akku aufladen in doppelter Hinsicht; Da-sein, Zuhören, absichtslos in Begegnung kommen, als Kirche an Orten sein, wo sie nicht erwartet wird, wo junge Menschen sind, eigene Sicht- und Denkweisen durchkreuzen lassen – das sind Anliegen des Projekts. Kaum angekommen höre ich aus dem Festivalteam „Ah, das Papamobil ist da.“ und „Du meinst den fahrenden Beichtstuhl?“. Mir wird mein Standort gezeigt und ein Getränk im Backstagebereich angeboten. Wir kommen ins Gespräch über das Festival und den durchkreuzer, über Kirche und Welt. Und als die ersten Besucher aufs Gelände kommen, erlebe ich mal vorsichtige, direkte Neugierde. „Was ist das für ein Wagen? Was kann man hier machen?“ Eine Gruppe Mädchen nimmt im Wagen Platz, um ihre Pizza zu essen und gemeinsam zu reden. Andere helfen mir, Festivalbändchen zu verteilen.

Ort der Begegnung auf vier Rädern

 (c) Nathalie Jelen

Es kommen Menschen, die davon gelesen haben, dass der durchkreuzer da ist und nun einfach mal „Hallo“ sagen und sich den Wagen anschauen wollen. Andere, die einen Sitzplatz und etwas Ruhe brauchen, Jugendliche und junge Erwachsene, die über ihre Ausbildung, familiäre Situation, Zukunftsvorstellungen erzählen und sich wundern, dass jemand da ist – einfach so, auch noch in der Nacht, wenn bei manchen der Pegel steigt.

Nach 10 Stunden bin ich doch etwas platt und schließe den Wagen, als gerade für einen Moment niemand darin ist, auch wenn sicher noch jemand gekommen wäre. Mittlerweile durfte ich schon an ein paar anderen Orten mit dem durchkreuzer sein und jedes Mal ist es anders. Flexibel bleiben, mich und meine Ideen und Gedanken durchkreuzen lassen. Was sich durchzieht, sind die vielen Begegnungen und vielfältigen Gespräche über alle möglichen Lebensthemen, die die Menschen bewegen. Menschen einen Raum geben zum Sein mit dem, was ist. Es gelingt, als Kirche auch außerhalb der kirchlichen Komfortzone – und durchkreuzt gewohnte Bilder.

Die nächsten Standorte des durchkreuzers:

Reggae Jam Festival, Bersenbrück 29.-31.07.2022

Hütte rockt Festival, Georgsmarienhütte 11.-13.08.2022

Relaod Festival, Sulingen 18.-20.08.2022

Weiter Infos und Einblicke gibt es hier

SommerZeit 2022 (c) Robert Boecker

Lesen Sie hier die aktuelle Ausgabe der SommerZeit 2022.

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