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Einblicke ins Kloster Heisterbach

  • 29.05.19 10:53
  • Lars Schäfers
  •   Kultur und Kirche

Wir schreiben das Jahr 1519 nach Christus. Der 18-jährige Thomas verliert durch einen Brand während einer Goldhochzeitsfeier beide Eltern. Der Großvater weiß danach keinen anderen Weg, als ihm den Gang ins Kloster Heisterbach schmackhaft zu machen. Thomas beißt an und wird Zisterziensermönch. Anhand der Lebensgeschichte dieses Ordensmannes und seiner monastischen Karriere bis hin zum Amt des Abtes beschreibt der Autor Horst Prayon das spätmittelalterliche Leben in den Dörfern und in besagtem Kloster am Fuße des Siebengebirges.

Eine Zeitreise ins 16. Jahrhundert

Bereits auf den ersten Seiten wird deutlich, wie sorgfältig, kundig und anschaulich der Autor den Alltag der Menschen von Damals schildert. Besonders detailgetreu und anscheinend fundiert recherchiert werden unter anderem die ökonomischen Probleme und auch die Glaubenszweifel geschildert, mit denen sich der Protagonist und seine Mitbrüder auseinandersetzen mussten. Eingebettet in die damalige geschichtliche Situation, die geprägt ist von Hexenprozessen, der Reformation und den beginnenden Konfessionskonflikten, kommen auch historische „Prominente“ aus dem Erzbistum Köln und dem regionalen Adel in der Geschichte vor. Vom Kloster Heisterbach in Königswinter ist heute nur noch die Chorruine der Abteikirche geblieben. Von der Lektüre dieses Romans aber bleiben lebendige Vorstellungen vom ganz konkreten Leben der Mönche mit all ihren wirtschaftlichen, sozialen, religiösen und auch erotischen Herausforderungen. Und gerade wer die rheinische Bucht am Siebengebirge seine Heimat nennen darf, kann sich über spannend erzählte Einblicke in das Leben derjenigen freuen, die damals hier gelebt, geliebt und gelitten haben.

Horst Prayon: Mit den Augen des Geistes. Zisterzienser im Mittelalter (Edition Rheinische Bibliothek Bd. 4), Bouvier, Bonn 2018, 190 Seiten, EUR 19,90.

SommerZeit 2019 (c) Robert Boecker

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