Thomanersänger auf Tournee (c) ZB_Fotoreport_Peter_Endig

Eine Jugend für die Chormusik

  • 24.08.16 22:55
  • Martin Mölder
  •   Kultur und Kirche

Gerade die Bach-Motetten und -kantaten müssen sitzen, denn neben regelmäßigen Konzertreisen auch nach Asien, die USA oder Südamerika, tritt der Thomanerchor vor allem in seiner Heimatstadt Leipzig regelmäßig auf. Woche für Woche auf. Jeden Freitagabend und Samstagnachmittag gibt es für die Leipziger und viele Touristen die Möglichkeit, den berühmtesten Chor der Stadt zu hören. Samstags musiziert das ebenfalls renommierte Gewandhausorchester gemeinsam mit dem Thomanerchor. Auf dem Programm steht dann immer eine Kantate des einstigen Thomaskantors Johann Sebastian Bach. „Thomaskantor“ ist seit je her der Name des Dirigenten und musikalischen Chefs des Thomanerchores. Johann Sebastian Bach ist der bekannteste aller Thomaskantoren in der langen Geschichte der Thomaner. Am 22. April 1723 wählte der Rat der Stadt Leipzig einstimmig Johann Sebastian Bach zum Kantor der Thomasschule, damals eine Armenschule mit Internat, und gerade vor Bachs Dienstantritt in erbärmlichem Zustand. Aber davon ließ sich der neue Thomaskantor nicht beeindrucken. Bach begann direkt mit seiner Arbeit. Er unterrichtet die Schüler am Vormittag von sieben bis zehn Uhr und nachmittags von zwölf bis drei Uhr in Musik und Kirchenlatein. 27 Jahre lang, bis zu seinem Tod, krempelte er die Thomaner und ihr Umfeld um und schuf die Grundlagen für die heutige Professionalität des Chores. Und auch in Dankbarkeit und Gedenken an Johann Sebastian Bach übernimmt der Thomanerchor auch nach wie vor an allen Sonntagen im Jahr die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes in der Thomaskirche.

Interreligiöser Chor

Ursprünglich waren die Thomaner ein rein protestantischer Chor und der Glaube an Jesus Christus spielte eine zentrale Rolle. Mittlerweile haben sich die Thomaner geöffnet. Es gibt katholische, jüdische, baptistische und auch atheistische Thomaner und niemanden stört das. Ihre letzte große Reise führte sie aber schon noch als Vertreter der evangelischen Kirche ins Zentrum der Macht der katholischen Kirche. Papst Benedikt XVI. hatte den Thomanerchor noch zu Zeiten seines Pontifikats nach Rom eingeladen. Ende Juni war es dann soweit. Mittlerweile war Papst Franziskus im Amt und der Leipziger Chor durfte zusammen mit dem Chor der Kapella Sistina erst in der Sixtinischen Kapelle und dann beim Gottesdienst am nächsten Tag im Petersdom singen. "Es war spektakulär. Alle waren gerührt und dazu diese einzigartige Akustik", schwärmte danach Geschäftsführer Dr. Stefan Altner. Und Georg Schütze war auch drei Monate danach noch tief beeindruckt von diesem Erlebnis: "So eine Erfahrung werde ich wohl nie mehr machen in meinem Leben. Ich hatte eine Gänsehaut. Und dann sagte Papst Franziskus noch zu uns: "Gut gemacht, Jungs". Das werde ich nie vergessen."

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