(c) Martin Steffen/Adveniat

El Salvador: „Die Menschen haben die Korruption satt“

  • 13.02.19 12:16
  • Carolin Kronenburg
  •   Nachgefragt

Schwarze Lederjacke, Vollbart, zurückgegeltes langes Haar – wer ist der neue Präsident El Salvadors, der sein Rocker-Image pflegt?

Nayib Bukele ist vor allem sehr populär. Er gehörte zur FMLN wie traditionell seine Familie, reiche aus Palästina stammende Geschäftsleute. Er ist vor allem populär geworden durch seine Arbeit als Bürgermeister von Nuevo Cuscatlán und der Hauptstadt San Salvador, wo er die prekäre Sicherheitslage sehr verbessern konnte und Arbeitsplätze und wirtschaftlichen Aufschwung gebracht hat. Vor allem ist er einer, der seine Meinung sagt und immer wieder die Korruption – auch in den Reihen der eigenen Partei – angeprangert hat. Er gehört als 37-jähriger Werbefachmann zur jungen Generation, die sich bestens auskennt mit Twitter, Facebook und anderen sozialen Medien.

Bukele entstammt der traditionellen Elite des Landes, die bestehende Machtstrukturen zementiert. Im Wahlkampf hatte er vor allem für seinen Einsatz gegen die Korruption geworben – wie passt das zusammen? 

In El Salvador gibt es viele Politiker, die wegen Korruption angeklagt und verurteilt wurden. Ganz prominentes Beispiel ist der vorletzte Präsident der FMLN, Mauricio Funes, bei Arena beispielsweise auch Ex-Präsident Elías Antonio Saca, der Gründer der Gana-Partei ist, für die jetztBukele angetreten ist. So gibt es viele, die sich Korruption zu Schulden gemacht haben. Aber das heißt nicht, dass die gesamte Unternehmerschaft, aus der er stammt, korrupt ist. Im Wahlkampf, der sehr heftig geführt worden ist, hat man auch ihm Korruption nachgesagt. Er hat wohl Familienmitglieder in Vertrauenspositionen eingesetzt. Nichtsdestotrotz traut man ihm, angesichts der Skandale bei den beiden etablierten Parteien, zurzeit am meisten im Kampf gegen die Korruption zu. 

Steht er denn für soziale Gerechtigkeit? 

Er möchte gegen die Korruption kämpfen und das heißt eben auch gegen die Armut und gegen den Hunger im Land. Er sagt, wenn nicht geklaut wird, wenn es keine Korruption im Land gibt, dann reicht es für alle. Er tritt für soziale Gerechtigkeit an. Allein sein Regierungsprogramm ist in vielen Punkten nicht eindeutig. Er will sich für wirtschaftlichen und sozialen Aufschwung einsetzen und Arbeitsplätze schaffen – aber was er konkret vorhat, war vielen Menschen, mit denen ich gesprochen habe, nicht klar.  

Wie will Bukele Arbeitsplätze und Frieden in El Salvador schaffen?

Er spricht von großen Infrastrukturprojekten, die Arbeit schaffen, wie einem Flughafenneubau und der Einrichtung von Zugverkehr in El Salvador. Was davon wirklich umgesetzt werden kann, ist noch offen. Er setzt auf Arbeit, er setzt auf Bildung.

AdventsZeit 2018 (c) Robert Boecker

Lesen Sie hier die aktuelle Ausgabe der AdventsZeit 2018.

Zur AdventsZeit 2018 »