(c) Robert Boecker

Engagementförderer: „Komme, wer Wolle“

  • 11.02.20 11:13
  • Martin Mölder
  •   Im Auftrag des Herrn

Mittwochnachmittag, 15 Uhr: Das „margaretaS“, das Begegnungszentrum der Gemeinde St. Margareta mitten im Stadtzentrum von Brühl, füllt sich langsam – mit Frauen, Kaffeetassen und jeder Menge Wollknäuel und Stricknadeln. „Komme, wer Wolle“ heißt das offene Angebot, das hier seit Januar entstanden ist. Wer durch die Tür der einladenden Glasfassade das Foyer betritt, wird freundlich empfangen, sowohl von Brigitte Hornig, die den Strickkreis ins Leben gerufen hat, als auch von Camilla Meschede, die bereits duftenden Kaffee und würzigen Tee zubereitet. Beide Frauen engagieren sich ehrenamtlich hier. Meschede nimmt sich, nachdem jede der elf Frauen, die heute gekommen sind, mit Getränken versorgt ist, ihr eigenes Strickzeug und legt los. Jede Woche trifft sich der „Komme, wer Wolle“-Kreis im „margaretaS“. Begonnen hat es mit sechs Frauen, jetzt kommen auch mal 14 und, sagt Brigitte Hornig stolz, „ab und zu sind auch Männer dabei“. Heute nicht, dafür stoßen etwas später drei Kinder dazu, für die ein eigener Strick-Kindertisch zur Verfügung steht.

Zeit zum Zuhören

 (c) Robert Boecker

„Ohne einen wirklichen Plan zu haben, dachte ich, dass Stricken ein tolles Angebot ist, auch für Kinder“, sagt Brigitte Hornig. „Ich bin Valeria Aebert sehr dankbar, dass sie mir bei der Organisation dieses Angebots geholfen hat.“ Seit November 2015 arbeitet Aebert bereits als Engagementförderin in Brühl, damals hieß das noch „Ehrenamtsmanagerin“, was das Tätigkeitsfeld Aeberts genauso gut beschreibt.

Dabei hilft es, dass sie im Seelsorgebereich von St. Margareta lebt und bereits vor Antritt ihrer Stelle selbst mehr als zehn Jahre in drei Gruppen der Pfarrei aktiv war. „Der größte Gewinn der Stelle liegt darin, dass wir Engagementförderer Zeit haben zuzuhören, mal genau hinzuschauen, wie und wofür Menschen sich einsetzen und was sie wollen und brauchen“, sagt die groß gewachsene Frau mit der freundlichen, offenen Ausstrahlung. Bei diesen Gesprächen passiert es nicht selten, dass Interessierte an einer ehrenamtlichen Tätigkeit nach dem Gespräch mit Aebert eine andere Aktivität beginnen wollen als sie ursprünglich geplant hatten. Im Schnitt vermittelt Aebert eine Frau oder einen Mann pro Woche, nicht nur innerhalb der Gemeinde, sondern auch darüber hinaus in der Stadt Brühl.

Diese Engagementförderer sind ein Geschenk

Sechseinhalb Stunden ist Aebert in jeder Woche im „margaretaS“ und bietet dort eine offene Sprechstunde an. „Die Leute müssen nicht immer Termine machen, sondern kommen einfach vorbei“, erklärt sie, „und ich frage sie nicht danach, ob sie katholisch sind oder gläubig, jeder ist hier willkommen. Und so verstehe ich meinen Auftrag, auch als Teil des Pastoralteams.“ Gegen 17 Uhr kommt ein Kollege aus diesem Team des Seelsorgebereichs auf einen Kaffee vorbei, Pastoralreferent Markus Dörstel. Befragt nach der Bedeutung der Arbeit von Valeria Aebert, sagt er: „Seitdem sie hier ist, ist so viel mehr Leben im ,margaretaS’, sie hat so viele Menschen begeistert und für die Arbeit nicht nur in der Gemeinde gewonnen, das ist einfach großartig.“ „Das Geschenk in diesem Projekt sind die Frauen und Männer selbst“, sagt Alfred Lohmann, Leiter der Stabsstelle Lokale Projekte, Bibel und Liturgie im Erzbistum Köln und verantwortlich für die 60 Frauen und Männer. „Das ist ein großartiges Team. Sie kommen aus 23 verschiedenen Berufen und wollen die Chance nutzen, Menschen zu begeistern und Kirche mitzugestalten.“ Und mit einem Strahlen in den Augen fügt er hinzu: „Und wir haben hier in diesem Projekt die Menschen, die alles mitbringen, um diese Engagierten zu finden: Menschenkenntnis, Berufserfahrung, Begeisterungsfähigkeit, die Fähigkeit zuzuhören, wertzuschätzen und zu vernetzen.“

SommerZeit 2020 (c) Robert Boecker

Lesen Sie hier die aktuelle Ausgabe der SommerZeit 2020.

Zur SommerZeit 2020 »