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Fastenbier, denn "Flüssiges bricht Fasten nicht"

  • 20.03.18 11:19
  • Martin Mölder
  •   Kurz und Knapp

Der genaue Tag ist nicht überliefert, als Mönche in Bayern aus der Not eine Tugend machten und das erste Fastenbier brauten. Historiker datieren den Zeitraum auf Mitte des 17. Jahrhunderts. Und auch das Kloster, in dem die ersten Ordensbrüder ihr „flüssiges Brot“ zum ersten Mal verkosteten, bleibt ein Geheimnis. Dass Fastenbiere bis heute aber – nicht nur in Bayern – gerne getrunken werden, ist dagegen unwideruflich überliefert und eine wohlschmeckende Tatsache. Immer schon wurde in vielen Klöstern Deutschlands Bier gebraut. Das war meist ein sogenanntes „Dünnbier“, von dem oft bis zu einem Liter am Tag regelmäßig von den Mönchen getrunken wurde. Doch in der Fastenzeit reichte dieses Dünnbier nicht mehr aus, um den permanenten Hunger durch den zum Teil sehr strengen Verzicht auf feste Nahrung auch nur annähernd zu stillen. Also brauten sie ein Starkbier, das wesentlich nahrhafter und schmackhafter war als das Bier, was es das ganze Jahr über im Kloster gab. Die neue Spezialität hatte einen wesentlich höheren Zuckergehalt und da bei der Vergärung die Hefe den gelösten Zucker in Alkohol verwandelt , auch erheblich mehr „Umdrehungen“. Fastenbiere konnten damals durchaus acht bis elf Prozent Alkohol beinhalten. Da aber damals der Satz galt „Flüssiges bricht Fasten nicht“ war der Alkoholgehalt nicht ausschlaggebend.

Große Namen und schlaue Mönche

Triumphator, Salvator oder Maximator – viele Fastenbiere in Bayern tragen bis heute klangvolle Namen. Eines der ältesten unter ihnen ist das „Salvator-Starkbier“, das die Paulaner-Mönche des Klosters Benediktbeuern 1751 erstmals brauten. Einige Ordensbrüder im Mittelalter plagten allerdings wohl doch Gewissensbisse, erzählt die Legende. Deshalb beschlossen Sie, sich an höchster Stelle die Genehmigung zum Verzehr ihres Fastenbieres zu holen. Also schickten sie ein Fass mit ihrem Starkbier über die Alpen nach Rom zum Papst. Das wurde beim wochenlangen Transport dann aber derart kräftig geschüttelt und durch Eiseskälte nachts und italienische Hitze tagsüber immer wieder extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt, dass es schließlich sauer und verdorben beim Heiligen Vater ankam. Nachdem der probiert hatte, lobte der Papst die Fastentugend und Leidensfähigkeit seiner bayerischen Brüder und gab das Starkbier als Fastentrunk frei. Damit war das Biertrinken in der Fastenzeit sozusagen offiziell erlaubt.

Fastenbier mit Mehrwert

Das bischöfliche Hilfswerk MISEREOR hat dieses Jahr innerhalb seiner Fastenaktion die Tradition des Fastenbiers wieder aufgegriffen. In Kooperation mit der Brauerei „Neumarkter Lammsbräu“ bietet MISEREOR ein Bio-Fastenbier ohne Alkohol an, das dennoch an das traditionelle bayrische Fastenbier der Mönche erinnert.  „Unser charakterstarkes Dunkel Alkoholfrei duftet nach Röstmalzen, es ist weich und malzig, und passt zu gesunder, leichter Kost, aber auch zu feinen Brotzeiten mit Schwarzbrot“, sagen die Verantwortlichen von Neumarkter Lammsbräu, „MISEREOR lädt dazu ein, auch in Deutschland Wege zu echter Lebensqualität in globaler Verantwortung zu gehen. Wir unterstützen das Hilfswerk gerne dabei. “ Das alkoholfreie Bio-Fastenbier wird in allen „denn’s“ Biomarkt-Filialen deutschlandweit verkauft. Je verkaufter Flasche spendet „denn’s“ 20 Cent für die Projektarbeit von MISEREOR.

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