(c) Julia Rosner

Florida: Alligatoren und der alte Mann am Meer

  • 18.04.19 11:14
  • Julia Rosner
  •   Kurz und Knapp

„Ein einzigartiges Abenteuer, das man nicht vergisst“ – mit diesem Slogan werben viele Reiseanbieter für ihre Exkursionen in die Everglades, den bekanntesten tropischen Nationalpark im Süden der USA. Schon im Geografieunterricht fand ich das Sumpfgebiet, in dem Alligatoren neben Krokodilen leben, faszinierend. Bei meinem Kurztrip nach Florida durfte deshalb ein Besuch der Everglades nicht fehlen. Dennoch: mit leichten Bedenken bin ich zum Startpunkt meiner Bootssafari aufgebrochen. Ist ein Touristen-Ausflug in das empfindliche Öko-System der Everglades, das sogar auf der Roten Liste der UNESCO steht, so unbedenklich, wie die Reiseanbieter versichern? Ohne Zweifel: die Fahrt durch das Schilf entlang von gigantischen Bäumen und malerischen Seerosen war ein Erlebnis. Neben Schildkröten und seltenen Vögeln konnte ich tatsächlich Alligatoren beobachten. Bis auf wenige Zentimeter sind sie zu uns herangeschwommen. – Bei dem ohrenbetäubenden Krach, den unser Airboat gemacht hat, jedoch unverständlich. Später habe ich erfahren, dass die Alligatoren mit Marshmallows angefüttert werden.  Die „Alligator-Show“ (ähnlich einer Delphinshow), die Teil unserer Exkursion war, hat mich jedoch noch mehr erschreckt. Neun Alligatoren gefangen in einem kleinen Becken, durch das ein Tieranimateur läuft und die Panzerechsen hin- und her schleift: Tier- und Umweltschutz gibt es hier nicht. Auch für die Tiere scheint mein Ausflug in die Everglades ein „Abenteuer“ gewesen zu sein, das sie „nicht vergessen werden“. Dass ich unter diesen Umständen noch einmal in die Everglades fahren werde, bezweifle ich.

Südlicher geht´s nicht

 (c) Julia Rosner

Am nächsten Tag bin ich entlang des Overseas Highways weiter in den Süden gereist. Für Regisseure ist dieser Highway eine der beliebtesten Film-Straßen überhaupt. Über die knapp 200 Kilometer lange Landverbindung, die von Homestead nach Key West in Süd-Florida reicht, sind vor mir bereits Actionhelden wie James Bond („Lizenz zum Töten“) und Brian O’Conner („2 Fast and 2 Furious“) gebraust. Der normale Autofahrer hingegen benötigt ganze drei Stunden, um die gut 40 Inseln, die durch unzählige Brücken miteinander verbunden sind, zu passieren. Die letzte Insel am Ende meiner Reise war Key West, der südlichste Punkt der USA.

Wer von einem Süd-See-Paradies aus Palmen, Kokosnüssen mit Strohhalmen und türkisfarbenem Wasser träumt, ist hier genau richtig. Davon war auch der große amerikanische Autor Ernst Hemingway überzeugt. Gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau und mehr als 40 Katzen hat er hier zehn Jahre lang gelebt. Neben seinem wunderschönen Kolonialhaus richtete er sich eine kleine Schreibwerkstatt ein. Hier entstanden Werke wie „Schnee auf dem Kilimandscharo“ und „Haben und Nichthaben“.

Hemmingsway, Rum und Kuba

 (c) Julia Rosner

Hemingways Haus ist heute ein Museum, das zum Großteil mit Originalmöbeln ausgestattet ist. Auch die Nachfahren seiner Katzen leben noch hier. Sie werden vom Museumspersonal verpflegt und tragen Namen wie Humphrey Bogart und Marylin Monroe. Beim Schlendern durch das Anwesen hatte ich das Gefühl, der große Schriftsteller würde immer noch hier leben.

Und sei vielleicht nur kurz zum Hafen gegangen, um sich eine Flasche Rum zu kaufen. Dass Kuba quasi um die Ecke liegt, merkt man in Florida nicht nur in Key West. Neben Englisch ist Spanisch im Sunshine-State die meist gesprochene Sprache. Miami hat einen Stadtteil, der den Namen „Little Havanna“ trägt. Hier gibt es nicht nur kubanische Geschäfte und Zigarrenfabriken, sondern auch viele kubanische Bars, in denen den ganzen Tag Livemusik gespielt wird und sogar die Kellner mittanzen. Die Musiker, die meist so alt sind, dass sie bereits zur Kubakrise längst erwachsen gewesen sein müssen, stecken mit ihrem südländischen Temperament alle an – auch mich. Ach lieber Hemingway, ich kann sehr gut verstehen, dass du dich hier wohl gefühlt hast. 

SommerZeit 2019 (c) Robert Boecker

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