(c) Robert Boecker

Flughafenseelsorge: Hilfe zwischen Himmel und Erde

  • 13.02.19 11:51
  • Brigitte Schmitz-Kunkel
  •   Im Auftrag des Herrn

Freizeit, Freundschaft, Reisen und Romanzen“– das verspricht die Werbung einer Airline am Eingang zum Flughafen Düsseldorf. Doch ganz so idyllisch gestaltet sich das Leben auch im Urlaub oft nicht. Den Pass verloren, das Portemonnaie gestohlen bekommen, den Anschlussflug verpasst, irgendwo gestrandet. Oder viel schlimmer: in den Ferien erkrankt. Die Reise als Paar angetreten – und der Partner, die Partnerin stirbt am Urlaubsort, der andere kehrt alleine zurück. Es gibt viele Situationen, in denen ein Passagier plötzlich Beistand braucht, praktische Hilfe oder jemanden, der zuhört. Und den gibt es: Seit dem Sommer 2017 bietet die ökumenische Flughafenseelsorge am Düsseldorfer Airport ihre Hilfe an. Himmelblau strahlt schon das neue Logo außen am Abflug-Terminal: Worte wie Begleitung, Trost, Gebet, aber auch Lachen und Freude bilden zusammen ein Kreuzzeichen. Das findet sich wieder auf den Westen, die die beiden hauptamtlichen Seelsorger tragen – der katholische Diplomtheologe Johannes Westerdick und die evangelische Diplom-Sozialpädagogin Ute Clevers – und auch die 40 Ehrenamtlichen, mit denen sie die vielfältigen Aufgaben angehen: „Willkommen“ sagt ein Kreuz in 20 Sprachen.

Rund um die Uhr im Einsatz

24 Stunden am Tag ist die Flughafenseelsorge telefonisch erreichbar, der Schalter im Terminal A ist wochentags von sieben bis 19 Uhr, am Wochenende von zehn bis 16 Uhr besetzt. Logo, Westen, Schalter – die Flughafenseelsorge ist sichtbar. Auf der Suche nach Menschen, die Hilfe benötigen, streifen immer zwei Mitarbeiter durch das Terminal und sprechen Passagiere, die ratlos oder verzweifelt wirken, gezielt an. Als es in den vergangenen Sommerferien zu Reibereien in den Warteschlangen vor den Abfertigungsschaltern kam, sorgten die Seelsorger mit einem probaten Beruhigungsmittel für Entspannung: Gummibärchen. Das Team betreut Passagiere in großen und kleinen Krisen unabhängig von Herkunft oder Religion. „Wir erleben häufig, dass eine praktische Hilfe erwartet wird, sich daraus aber dann ein seelsorgliches Gespräch entwickelt“, sagt Ute Clevers, „und oft organisieren wir mit unserem Netzwerk bereits im Hintergrund Hilfe, während die Menschen hier noch mit uns sprechen.“ Johannes Westerdick beriet eine Französin, die ihren Flug verpasst hatte, aber „aufgeregter war als angebracht“. Im Gespräch stellte sich heraus, dass ihre Familie einen Unfall in Spanien gehabt hatte. Die Schwiegertochter war tot, der Sohn lag im Koma, „sie hatte Angst, ihn nicht mehr lebend anzutreffen“. Einen halben Tag lang betreute das Team die Frau und konnte sie ein Stück begleiten.

Reisesegen-to-go

Im ersten Stock des Terminals liegt der für jeden offene „Raum der Stille“, in dem auch Andachten stattfinden – etwa zum jährlichen Gedenken an den Germanwings-Absturz 2015 oder eine Trauerfeier für den plötzlich verstorbenen Kollegen einer Fluglinie. Die Mitarbeiter-Seelsorge ist eine zentrale Aufgabe des Teams. Und obwohl immerhin 20 000 Menschen am Flughafen Düsseldorf arbeiten, gehe es familiär zu, so Clevers. Für die Angestellten „verstehen wir uns als jemand, der einfach mal zuhört“. Den Kollegen vom Reisebüro nebenan etwa, die sagen „gut dass ihr da seid, dann kann uns nix passieren!“ Oder der Polizistin, die froh ist, dass jemand für einen bestohlenen Passagier mehr tun kann, als nur die Anzeige aufzunehmen. „Es macht einfach Spaß, für die Menschen da zu sein“, sagt Johannes Westerdick. Manchmal schenken sie Passagieren eine Karte mit einem Segensspruch, einen „Reisesegen-to-go“ sozusagen, der die Menschen oft tief anrühre. Der Seelsorger ist froh: „Wir haben wirklich viele Situationen zu einem guten Ende führen können, von dem zuerst alle gedacht haben, das haut nie hin.“

SommerZeit 2019 (c) Robert Boecker

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