Assisi (c) Robert Boecker

Franz von Assisi - der Mann des Jahrhunderts

  • 06.02.17 13:04
  • Thomas Freidel
  •   Glaubensmagnete

"Das grüne Herz Italiens", so wird Umbrien gerne genannt. Im Zentrum der Halbinsel gelegen, als einzige Region Mittelitaliens ohne direkten Zugang zum Meer, fasziniert Umbrien durch die Schönheit seiner Natur. Bewaldete Hügel mit fruchtbaren Ebenen umgeben zahlreiche mittelalterliche Städte mit reicher Geschichte und Kultur. Der Stolz der Region sind ihre landwirtschaftlichen Produkte. Vor allem das Olivenöl, der Weinbau mit den eigenen Rebsorten Grecchetto und Sagrantino, und die berühmten schwarzen Trüffeln aus den Wäldern im Osten der Region haben sich weit über Umbrien hinaus einen Namen gemacht. Bedingt wohl durch den größeren Abstand zu den Seehäfen mit ihren Verbindungen in alle Welt gilt der Menschenschlag als eher zurückhaltend, bodenständig und traditionsbewusst.

Verwöhnter Spross des 12. Jahrhunderts

Es ist die Zeit des Aufblühens der Städte im hohen Mittelalter, als im Jahre 1182 in der umbrischen Stadt Assisi der Kaufmannssohn Giovanni Bernadone geboren wird, den die Welt heute als Franziskus von Assisi kennt. Als Angehöriger der neuen selbstbewussten bürgerlichen Stadtbevölkerung genießt er als Spross eines wohlhabenden Tuchhändlers eine sorglose Kindheit und Jugend mit frohen Festen im Kreis seiner Gefährten. Verschiedene Ereignisse und Schicksalsschläge, wie die Erfahrung von Krieg und Gefangenschaft, die misslungenen Pläne, ein Ritter zu werden und die immer mehr in ihm erwachende Sehnsucht und Frage nach der Sinngebung seines Lebensweges führen zu einer radikalen Veränderung.

Berufung in San Damiano

Schlüsselerlebnis ist der Dienst bei den an Aussatz Erkrankten in der Ebene außerhalb der Stadt, der ihn erstmals aus der egoistischen Selbstzentriertheit herausführt und ihm den Blick für die Not der Menschen öffnet. Diese Erfahrungen führen ihn auch ins Gebet, in die intensivere Suche nach Gott.

In der zerfallenen Landkirche von San Damiano erfährt er vor dem Kreuz die Nähe und Zuwendung Gottes. Franziskus verzichtet auf Besitz und Erbe und zieht als Wanderprediger durchs Land, nach dem Beispiel der Apostel Jesu, wie er es aus der Heiligen Schrift erfahren hat. Erste Gefährten schließen sich an, bereits 1209 bestätigt der Papst die neue Gemeinschaft der „Minderen Brüder”, die in persönlicher Armut und im konsequent gelebten Christsein zur Erneuerung der Kirche beitragen. Als Franz von Assisi im Oktober 1226 bei der kleinen Porziuncolakapelle nahe seiner Heimatstadt sein Leben beschließt, ist die Brudergemeinschaft mit mehreren Tausend Mitgliedern bereits über die Grenzen Europas hinaus verbreitet.

AdventsZeit 2016 (c) Heiko Wrusch

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