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Gelebte Kirche an Gleis 1

  • 20.07.17, 10:09
  • Martin Mölder
  •   Im Auftrag des Herrn

Eigentlich ist Maria Rigowksi (Name geändert) ja gelernte Bürokauffrau, aber weil sie ihr Beruf nicht mehr ausfüllte und sie auf der Suche war, nach einem tieferen Sinn ihrer Arbeit kam sie nach Berlin – mit dem Zug - und hielt im Berliner Ostbahnhof. Und damit kam sie, ohne es damals bereits zu wissen, an ihrer neuen Arbeitsstelle an. Die Bahnhofsmission fiel ihr bei diesem Besuch nicht direkt auf, aber kurze Zeit später schon wurde ihr klar, dass dieser Ort sie längerfristig faszinieren und binden würde. Bei IN VIA, dem Katholischen Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit für das Erzbistum Berlin, begann Maria Rigowski zunächst als ehrenamtliche Helferin. Insgesamt gibt es davon deutschlandweit rund 2000, die insgesamt 800.000 Stunden im Jahr in den Bahnhofsmissionen ihren Dienst verrichten – mit Leidenschaft, Herzblut und Begeisterung. Eine jüngst veröffentlichte Studie belegt dies.

Hohe Zufriedenheit

Darin geben 94,2 % der Befragten Mitarbeiter der Bahnhofsmissionen an, dass sie „zufrieden“ und „sehr zufrieden“ mit ihrer Tätigkeit seien. Zu diesen Zufriedenen zählt auch Maria Rigowski. Viele Fortbildungen hat sie parallel zu ihrer ehrenamtlichen Arbeit in der Bahnhofsmission besucht bis sie schließlich so qualifiziert war, dass ihr angeboten wurde, sich hauptamtlich um die Menschen am und im Bahnhof zu kümmern. Seit mittlerweile drei Jahren arbeitet sie mit 75% einer vollen Stelle gemeinsam mit drei anderen Mitarbeitern in der Bahnhofsmission im Berliner Ostbahnhof. Außerdem engagieren sich 15 ehrenamtliche Frauen und Männer dort. „Ohne sie ginge hier gar nichts“, sagt Rigowski. Das wird schnell klar, wenn man sich allein die Zeiten ansieht, in denen jedem der kommt, in der Bahnhofsmission ein Frühstück bzw. Kaffee und Kuchen angeboten wird. Im Berliner Ostbahnhof gibt es das Frühstücksangebot von 8.30 Uhr bis 12.00 Uhr. Kaffee und Kuchen können die Gäste der Berliner Bahnhofsmission von 13.30 Uhr bis 16.00 Uhr bekommen. Überwiegend nehmen dieses Angebot Wohnungslose in Anspruch, aber auch ältere Menschen mit festem Wohnsitz kommen immer wieder vorbei oder Reisende, die in den Räumen der Bahnhofsmission einfach ihre Wartezeit auf den nächsten Zug überbrücken wollen.

Christliche Helfer in der Not

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Bahnhofsmissionen sind ein Stück gelebte Ökumene, denn die Träger der verschiedenen Einrichtungen kommen sowohl aus dem katholischen, als auch aus dem evangelischen Bereich. Caritas, Diakonie, In Via und der Verband der Deutschen Evangelischen Bahnhofsmission teilen sich die soziale, caritative Arbeit am Bahngleis untereinander auf.

„Das funktioniert wunderbar“, sagt Anne Kunzmann vom Dachverband der Bahnhofsmissionen in Deutschland. Neben den Verpflegungsangeboten, bieten die Bahnhofsmissionen aber noch mehr Hilfen an. Auf ihrer Internetseite haben sie es wie folgt zusammengefasst: Wir sind für Sie da, „wenn Sie erschöpft sind, hungrig oder durstig sind, verletzt sind oder krank oder schwach. Wenn Sie etwas bedrückt und Sie Beistand oder Rat suchen, einen Moment der Besinnung brauchen, keinen Platz zum Übernachten finden, Sie Ihre Kleidung aufgrund eines Missgeschicks ramponiert haben, dringend telefonieren müssen, bestohlen wurden.“ Um diesem Anspruch gerecht zu werden, haben manche Bahnhofsmissionen, wie in u.a. Frankfurt, Berlin und München sogar rund um die Uhr ihre Türen geöffnet.

SommerZeit 2020 (c) Robert Boecker

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