Jordanien (c) Markus Harmann

Gelobtes Land für Menschen in Not

  • 14.04.17 12:41
  • Markus Harmann
  •   Kurz und Knapp

Vom 800 Meter hohen Mount Nebo im Westen Jordaniens geht der Blick über das Jordantal hinunter zum Toten Meer. Wenn es nicht so diesig wäre, könnte man sogar weit hinein nach Israel schauen. Von hier oben soll Mose den Überlieferungen des Alten Testaments zufolge nach seinem Auszug aus Ägypten das gelobte Land gesehen haben, ehe er auf dem Berg starb. Heute ist es umgekehrt: Jordanien ist in diesen Tagen so etwas wie das gelobte Land für die von Kriegen gebeutelten Bewohner seiner Nachbarstaaten Irak und Syrien. Das Königreich gilt als politisch stabiles Pufferland im Nahen Osten, seine Bewohner sind gastfreundlich und hilfsbereit: Kaum ein anderes Land der Erde hat, gemessen an seiner Einwohnerzahl, so viele Flüchtlinge aufgenommen: Muslime und Christen. Dabei sind die Voraussetzungen für die Aufnahme auf den ersten Blick denkbar schlecht: Das Land ist eines der wasserärmsten der Welt, 14 Prozent der Jordanier leben unterhalb der Armutsgrenze, ebenso viele gelten als arbeitslos. Das Land hat weder eine nennenswerte Industrie, noch ist es reich an Bodenschätzen. Heute leben mehr als anderthalb Millionen Flüchtlinge in dem Wüstenstaat mit seinen nur rund sechs Millionen Einwohnern. Für Deutschland würde das im Verhältnis die Aufnahme von 20 Millionen Flüchtlingen bedeuten.

Syrer und Ägypter kamen und kommen noch

 (c) Markus Harmann

Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat allein 630.000 syrische Flüchtlinge registriert, tatsächlich sollen sich aber mehr als 1,2 Millionen Syrer im Land aufhalten, viele von ihnen kamen schon vor dem Krieg – als Arbeitsmigranten. Genau wie die mehr als eine halbe Million Ägypter. „Wir begegnen den Flüchtlingen mit Liebe und Hilfsbereitschaft“, sagt der Direktor der Caritas Jordanien, Wael Suleiman – und schlägt gleichzeitig Alarm. „Wir stehen vor einer der größten Herausforderungen in der Geschichte Jordaniens.“ Ohne Unterstützung etwa aus Europa könne das ressourcenarme Land die Krise dauerhaft nicht stemmen.

Es fehle an (technischer) Infrastruktur, die einheimische Bevölkerung ächze unter steigenden Mieten und hohen Wasserpreisen. In Deutschland würden die Menschen womöglich längst gegen die Einwanderer protestieren. In Jordanien stöhnen die Menschen auch, aber sie bleiben gastfreundlich, denn sie wissen, so Suleiman: „Zurückschicken in den Krieg können wir die Menschen nicht.“ Zur Aufnahme gibt es keine Alternative.

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