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Gemeinsam geht es besser

  • 04.05.18 11:59
  • Franz Meurer
  •   Kurz und Knapp

Adventsbasar der Pfadfinder in Königsdorf bei Frechen. Während die Eltern nicht hinschauen, sondern gerade einen Adventskranz kaufen oder Glühwein trinken, geht ein Kind von fast zwei Jahren in das Zelt mit der Krippe und legt dem halbnackten Jesuskind einen Putzlappen über, damit es nicht friert. Warum erzähle ich diese kleine wahre Geschichte jetzt mitten im Frühling? Weil hier auf den Punkt kommt, was „gemeinsam“ meint. Ein Kind in diesem Alter ist schon altruistisch, will also helfen, teilen und abgeben. Früher dachte man, das Kind macht das, um den Eltern zu gefallen. Inzwischen hat die biologische Verhaltensforschung herausgefunden: diese soziale Fähigkeit hat sich in uns Menschen über Jahrzehntausende entwickelt! Im Verlauf einer langen Evolution haben wir Menschen die Fähigkeit erworben, uns in andere hineinzudenken. Für das überleben der Menschen war es entscheidend zusammenzuhalten, etwa bei der Jagd. Der berühmte Biologe Osborne Edward Wilson nennt diese Eigenschaft Eusozialität, also Gemeinsinn. Allerdings hat. er auch eine dunkle Seite der Gemeinschaft festgestellt, den Fluch des Krieges. Wenn ein Stamm der Yanomani-Indianer gut zusammenhält, will er gerne einen anderen Stamm überfallen! Etwas von dieser Erkenntnis der biologischen Verhaltensforschung können wir selber spüren. Zum Beispiel beim Fußball, wenn es nicht mehr nur um ein frohes Spiel geht, sondern Gewalt sich Bahn bricht.

Gemeinschaft kann gemein sein

Man merkt das auch, wenn in einer schönen Gemeinschaft über andere Gruppen hergezogen wird. Hält ein äußerer Feind die Gemeinschaft zusammen? Leider scheint es oft so, wenn wir auf die große Politik schauen oder gar auf die schrecklichen Kriege. unserer Zeit. Manches Schlimme geschieht sogar aus religiösen Gründen. Hilfreich sind die Forschungen des Bonner Theologieprofessors Georg Schöllgen. Er hat untersucht, warum die junge Kirche neue Mitglieder fand und wuchs. Er fand zwei Hauptgründe. Die Christen kümmerten sich um die Armen, und zwar um alle Armen, nicht nur die in ihrer Gemeinschaft. Das war neu. In der Antike herrschte soziale Kälte: Einzelschicksal, wer Witwe, chronisch krank oder verkrüppelt war. Zum andern machten die Christen nicht alles mit. Sie gingen nicht in die Arenen, um dem blutigen Spektakel zuzuschauen. Gladiatorenkämpfe interessierten sie nicht. Das fanden gebildete Menschen spannend .und schlossen sich der christlichen Gemeinschaft an. Es waren also die Armen und die Gebildeten, die sich der Botschaft Jesu öffneten. So entstand eine Gemeinschaft, die keinen äußeren Feind braucht und offen ist für alle.

AdventsZeit 2017 (c) Robert Boecker

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