(c) picturealliance/ZB

Gerechter Frieden aus christlicher Perspektive

  • 02.09.19 13:41
  • Lars Schäfers
  •   Kurz und Knapp

Der Friede ist nach christlichem Glauben Geschenk und Attribut Gottes – „Der Herr ist Friede“ (Ri 6,24). Populär und ein wichtiges Leitmotiv der modernen Friedensbewegung ist insbesondere die Friedensvision des Buches Jesaja aus dem Alten Testament: „Er wird Recht schaffen zwischen den Nationen und viele Völker zurechtweisen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg“ (Jes 2,4). Zudem ist in den biblischen Texten häufig vom „Messias“ als dem Friedensfürst die Rede. Christinnen und Christen glauben, dass Jesus Christus dieser lang ersehnte Friedensfürst ist. Der „Friede Christi“ (vgl. Kol 3,15) ist in der theologischen Deutung allerdings „nicht von dieser Welt“ (Joh 18,36), wiewohl das Engagement für den Frieden auf Erden ein zentraler Aspekt christlicher Ethik ist. Im Deutungsrahmen des Glaubens meint der „Friede Christi“ die Versöhnung mit Gott und damit das Bewusstsein, dass dieser den Menschen bedingungslos liebt. Christlicher Glaube sucht zu vermitteln, dass, wer aus dieser Glaubensgewissheit lebt, trotz aller Ängste und Nöte Frieden in seinem Herzen finden kann. Der christliche Gedanke der Geborgenheit im Letzten setzt entsprechend eine Gelassenheit im Vorletzten frei. Der heilige Augustinus als Vater der christlichen Friedensethik spricht daher vom „ewigen Frieden“ im Leben nach dem Tod.

Auch im Krieg Friedensstifter sein

Christliche Friedensethik hat aber nicht nur das Seelenheil des Einzelnen, sondern auch den Einsatz für Gerechtigkeit im Blick. Friede ist nach biblischer Überzeugung Frucht der Gerechtigkeit (vgl. Jes 32,17). Er ist folglich immer dann gefährdet, wenn der menschlichen Person das, was ihr aufgrund ihres Menschseins zusteht, nicht gegeben und ihre Würde nicht respektiert wird. Friede entsteht deshalb durch Beseitigung von Ungerechtigkeiten, Elend und Ausbeutung: „Darum heißt ein anderer Name für Frieden Entwicklung“, schreibt Papst Johannes Paul II. in seiner Sozialenzyklika Centesimus annus. Frieden ist nur als gerechter Frieden ein echter Frieden. Aus diesem Friedensverständnis folgt, dass Gewalt nie eine gerechte Antwort sein kann. Besonders Krieg als die inhumanste und zerstörerischste Form der Gewalt wird von vielen Christinnen und Christen zu Recht abgelehnt. Einzig im Fall eines Angriffskrieges haben die angegriffenen Staaten das Recht und die Pflicht, ihre Verteidigung auch mit Waffengewalt durchzuführen, wenn dies unvermeidbar sein sollte. Kurzum gilt aus christlicher Sicht ansonsten, dass Krieg nie ein geeignetes Mittel zur Wiederherstellung der Gerechtigkeit, sondern eine Geißel der Menschheit ist. Die Notwendigkeit von Verteidigung rechtfertigt die Existenz von Streitkräften für den Dienst am Frieden. Aus friedensethischer Sicht gilt für Soldatinnen und Soldaten, wozu der heilige Thomas von Aquin, neben Augustinus ein weiterer großer christlicher Denker, mahnt: „Du sollst auch im Kriege ein Friedensstifter sein, indem du die, gegen die du kämpfest, zu den Segnungen des Friedens führst.“ Aus den friedensethischen Traditionen der Bibel und des Glaubens schöpfend, engagieren sich viele Christinnen und Christen als solche Friedenstifter. Und ein aktives Eintreten für gerechten Frieden ist immer notwendig, nicht zuletzt, wenn man auf die aktuellen weltweiten Konfliktlagen blickt.

SommerZeit 2019 (c) Robert Boecker

Lesen Sie hier die aktuelle Ausgabe der SommerZeit 2019.

Zur SommerZeit 2019 »