(c) Robert Boecker

Gerufen? - Berufen!

  • 16.03.18 13:13
  • Brigitte Schmitz-Kunkel
  •   Im Auftrag des Herrn

Wer sich mit Marion Lammering verabreden möchte, braucht ein bisschen Geduld. Die 33-jährige Pastoralreferentin im Seelsorgebereich Euskirchen-Erftmühlenbach ist zwar gerade in Elternzeit, doch mit zwei kleinen Kindern bestens ausgelastet. Und auch sonst nicht bange vor Beschäftigung:  Auf der halben Stelle, die sie normalerweise innehat, betreut sie insgesamt neun Pfarreien. Engagiert spricht sie auch über ihren Beruf, der „leider noch nicht so bekannt ist.“ Seit gut 40 Jahren gibt es Pastoralreferenten und -referentinnen im Erzbistum Köln – Theologen, die nach einer zusätzlichen dreijährigen Ausbildung vielfältige Aufgaben übernehmen: In den Gemeinden sind sie u.a. zuständig für die Vorbereitung von Erstkommunion- und Firmfeiern, sie betreuen Ehrenamtler, junge Familien oder Senioren. Pastoralreferenten sind auch seelsorgerisch tätig an sozialen Brennpunkten, in Krankenhäusern und Gefängnissen, in Schulen und Betrieben.

Beruf mit Berufung

Kein alltäglicher Beruf, sondern einer, zu dem Berufung gehört. Wann ahnte Marion Lammering, dass das ihr Weg sein könnte? „Die Frage, wer hat Dich gerufen, klingt so groß, das ist es eigentlich nicht“, sagt sie. „Klassisch katholisch sozialisiert“ sei sie in Euskirchen in die Kirche hineingewachsen. Sie war Messdienerin, durfte schon als Jugendliche in Gruppen Verantwortung übernehmen. In einem Glaubenskurs stieg sie intensiver in das Thema ein; im Abiturjahr lernte sie durch einen Pastoralreferenten an ihrer Schule den Beruf kennen: „Da hat es bei mir klick gemacht – das könnte es sein. Und dann habe ich tatsächlich angefangen, Theologie zu studieren!“ Ihre Umwelt fand das eher ungewöhnlich:  „Du bist doch sonst ganz normal!“, habe ein Klassenkamerad zu ihr gesagt, erzählt Marion Lammering lachend. Auch ihre Mutter habe angesichts der langen Ausbildung erst einmal aufgestöhnt. Doch die junge Frau ließ sich nicht beirren. Auch als während des Studiums wegen drohenden Stellenabbaus einmal die Frage nach dem Wechsel aufs Lehramt auftauchte, spürte sie: „Meine Liebe zur Theologie beschneiden zu müssen, das fühlt sich nicht richtig an“.  Wohl aber der Austausch mit Gleichgesinnten: „Im Studium trifft man viele Menschen, die den Ruf auch spüren. Das gibt einen eigenen Sog.“

Von Gott erzählen

Kommunikation ist ihre Stärke: „Man muss als Pastoralreferentin ein gutes Einfühlungsvermögen mitbringen, Offenheit und die Bereitschaft, jeden Menschen erst einmal positiv anzunehmen“,  so Marion Lammering. Zu ihren Aufgaben zählt die Vorbereitung von Erstkommunionfeiern, viel organisatorische  Arbeit. Sie erzählt von einem Kind, das nie in den Unterricht wollte. „Herauszufinden, was dahintersteckte, war Seelsorge.“ Individuelle Begabungen sind wichtig: Viele ihrer männlichen Kollegen sind handwerklich kreativ, was in der Arbeit mit Jungen oft hilfreich ist. Als Pastoralreferentin steht sie trotz einer Menge Schreibtischarbeit in der ersten Reihe, man kennt sie in den Gemeinden. Interessenten rät sie, „dranzubleiben, wenn da ein starkes Gefühl ist, das könnte mein Platz sein. Wir brauchen auch gerade die, die nicht so hineingewachsen sind wie ich!“ Nicht umsonst lautet das biblische Lebensmotto der jungen Pastoralreferentin: „Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt“.

SommerZeit 2018 (c) Robert Boecker

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