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Gnadenkapelle in Altötting

  • 22.12.16 21:02
  • Jan Sting
  •   Glaubensmagnete

Die Dankestafeln erzählen von der Rettung vor dem Tsunami 2004 in Thailand ebenso wie über die Heilung von der Pest im Mittelalter. Seit Jahrhunderten kommen die Gläubigen in die Gnadenkapelle von Altötting, um Trost in allen Lebenslagen zu suchen. Große Anziehungskraft hat die durch Kerzenrauch geschwärzte „Schwarze Maria von Ötting“, wie sie im Volksmund genannt wird. Sie ist aus Lindenholz geschnitzt, gerade einmal 65 hoch – das frühgotische Bild einer stehenden Muttergottes mit dem Kind. Die große Bedeutung der Kapelle, die zwischen dem achten und zehnten Jahrhundert gebaut wurde, geht auf das Jahr 1489 zurück. Ein Kind war in den nahen Mörnbach gefallen und galt als ertrunken. Die Mutter legte den leblosen Jungen auf den Altar der kleinen Kapelle. Mit anderen Gläubigen betete sie für das Kind. Nach kurzer Zeit kehrte Leben in den Körper zurück. Der Knabe soll später Priester geworden sein.

Gnade, Versöhnung und Vergebung

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Daraufhin entwickelte sich der Brauch, zur Gnadenkapelle zu pilgern. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich die Wallfahrer mit 2000 Votivtafeln im Innenraum des kleinen Gotteshauses und dem äußeren Rundgang verewigt. Es sind symbolische Opfer insbesondere für die Rettung aus einer Notlage.

Die Tafeln bezeugen ihren Dank für Heilung und Gnade, für Versöhnung und Vergebung. Manche Gläubige machen Altötting zum Zentrum ihres Lebens, beten hier täglich stundenlang den Rosenkranz bis zur Schließung der Kapelle um halb neun am Abend. Ein Nachtwächter kann auf dem Monitor sehen, wen es danach noch zur Kapelle zieht. Mitunter soll er wirken wie ein nächtlicher Seelsorger, indem er den Gläubigen in Notsituationen Gehör schenkt. Auch Politiker sollen unter den Ratsuchenden gewesen sein.

Das Herz des Märchenkönigs

Altötting liegt zentral in Oberbayern  im Alpenvorland. München, Passau und Salzburg sind ebenso nah wie der Chiemsee. Die rund 13.000 Bewohner der kleinen Stadt sind auf die Pilger eingestellt. Und auch für historisch Interessierte und „Königstreue“ ist die Kapelle fester Bezugspunkt.  Denn in den Wandnischen stehen kunstvolle, silberne Herzurnen. Darin ruhen die Herzen der Wittelsbacher. Direkt gegenüber der Muttergottes ist die Urne platziert, in der das Herz Ludwig des II. ruht, der als Märchenkönig bekannt wurde. Am 11. September 2006 pilgerte Papst Benedikt XVI. nach Altötting. Vor dem Gnadenbild legte er seien Bischofsring nieder. Er ist heute am Zepter der Muttergottes angebracht. Im August 2008 verlieh Benedikt der Wallfahrtskirche die hohe päpstliche Auszeichnung der Goldenen Rose.

AdventsZeit 2016 (c) Heiko Wrusch

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