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Gottes kleiner Krieger

  • 01.11.17 19:38
  • Martin Mölder
  •   Kultur und Kirche

Selten hat ein Buch bei seinem Erscheinen soviel Lob und Zuspruch von den doch eigentlich so strengen Literaturkritikern bekommen wie der im Herbst 2006 erschienene Roman „Gottes kleiner Krieger“ des indischen Bestseller-Autors Kiran Nagarkar. Dabei habe er, als es nach sieben langen Jahren endlich fertig war, Angst gehabt, sagte er einmal in einem Interview: „Ich hatte Angst, meine Leser zu verlieren. Dieser Zia, meine Hauptfigur, geht einem mit seinem Fundamentalismus schließlich dermaßen auf die Nerven". Zia, mit vollem Namen Zia Khan ist die Hauptfigur in Nagarkars Erzählung. Zia wird in Bombay, dem heutigen Mumbai, geboren, genau wie sein Schöpfer und das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit zwischen dem Autor und seinem Protagonisten. Er habe nach Beendigung seines Romans mit Schrecken festgestellt, dass auch ein bisschen was von Zia in ihm stecke, sagte Kiran Nagarkar. Dabei beginnt alles ganz harmlos.

Messias wider Willen

Zia wird in eine muslimische Familie hineingeboren, eine liberale muslimische Familie. Nur seine Tante neigt zu extrem islamistischem Gedankengut. Sie verkündet Zia eines Tages, dass sie überzeugt sei, er wäre der Auserwählte, ein sogenannter „Vali“, der die Macht habe, alle ungläubigen Muslime zu bekehren und auf den Weg des wahren Glaubens zurück zu führen. Und irgendwann glaubt auch er daran, eine besondere Mission, ja eine Bestimmung zu haben. Sein Weg führt ihn in viele Länder und in extreme Situationen, u.a. in ein Trappistenkloster in Kalifornien, als hochbegabter Mathematikstudent nach Cambridge und in ein afghanisches Terroristenlager. Er will den Verfasser der „Satanischen Verse“ Salman Rushdie umbringen, was misslingt. Er spekuliert an der Börse und wird zum Waffenhändler. Und dann ist da noch sein Bruder Amanat, der das komplette Gegenteil von Zia verkörpert.

Der Extremist in uns allen

„Gottes kleiner Krieger“ ist eine Anklage gegen Fanatismus und Fundamentalismus. Autor Kiran Nagarkar beschreibt wie schmal der Grad ist zwischen Gut und Böse, Hingabe und Extremismus, Liebe und Hass. Und er tut dies ohne erhobenen Zeigefinger, denn ein bisschen was von Zia steckt in uns allen, ist Nagarkan überzeugt. „Das Schlimmste war, zu erkennen, dass Teile Zias auch in mir stecken. Auf meine Art bin ich ja auch fanatisch. Ich bin ein geradezu dogmatischer Liberaler", sagte Kiran Nagarkar. Und tatsächlich: Das Gefühl, des „sich ertappt Fühlens“ in seinen eigenen Schwächen und Abgründen hinterlässt der Roman bei fast jedem seiner Leser.

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