Grabeskirche St. Josef in Aachen (c) dpa_Jörg_Carstensen

Grabeskirche in Aachen

  • 19.02.17 12:07
  • Martin Mölder
  •   Glaubensmagnete

Hier wurden Kinder getauft, Jugendliche gefirmt und Paare getraut und natürlich wurden hier auch die Gottesdienste und Trauerfeiern zelebriert, wenn ein Gemeindemitglied gestorben war. Von außen hat sich die große neugotische Kirche St. Josef des bekannten Architekten Franz Langenberg in all den Jahren nicht besonders verändert, aber drinnen umso mehr. Im Jahr 2006 fand die Kirche nämlich eine neue Bestimmung. An Allerheiligen 2006 wurde St. Josef als "Grabeskirche" wieder eröffnet und ist jetzt ein so genanntes „Kolumbarium“, also ein Bauwerk oder Gewölbe, in dem Tote meist in Urnen bestattet werden und das oft in direkter Nachbarschaft zu einem Friedhof oder Krematorium liegt. Auch St. Josef ist nur ein paar Schritte entfernt vom Aachener Ostfriedhof.

Renovierung mit Bedacht

Der Aachener Architekt Ulrich Hahn, hat den Innenraum der Kirche neu gestaltet. So reduzierte er beispielsweise das Gestühl und stellte es im ehemaligen Altarraum neu auf.  Besonders markant: Wer die Kirche  durch das Hauptportal betritt, wird von einem ungewöhnlichen Geräusch empfangen, denn in einem Quellstein entspringt hier ein schmaler Wasserlauf, der dem Gefälle des Kirchenschiffs folgt und in der Vierung beim Taufbecken endet. Und während des Gangs durch das Kirchenschiff schwebt über den Wegbegleitern des Verstorbenen eine schiffsähnliche Skulptur voller Licht und Richtung, ein uraltes Symbol der Fahrt über den Fluss des Todes zum Leben bei Gott. Am auffälligsten sind jedoch zweifelsohne die vielen Stelen in den Seitenschiffen der Kirche, in die die Gedenksteine der Verstorbenen und die Urnen eingepasst werden können.

Besondere Steine

 (c) dpa_Jörg_Carstensen

Die Stelen sind aus hochwertigem Beton geformt. Die darin eingefügten Gedenksteine, gefertigt aus verschiedenartigen Natursteinen, wirken wie Schmuckstücke in den hellen Betonflächen. Eine würdevolle immer gleich gestaltete Beschriftung nennt die Namen und Daten der hier Beigesetzten und soll den Besucher der Grabeskirche an die Gleichheit, zugleich aber auch Einmaligkeit jedes Menschen erinnern. Die Blumen und Kerzen der Angehörigen geben den Kapellen zusätzlich eine würdige und sehr persönliche Atmosphäre. Insgesamt können 1860 Urnen in der Aachener Grabeskirche beigesetzt werden. Und für viele Aachener ist es Trost und Wunsch zugleich, einmal in dieser besonderen Umgebung ihre letzte Ruhe zu finden.

AdventsZeit 2016 (c) Heiko Wrusch

Lesen Sie hier die aktuelle Ausgabe der AdventsZeit 2016.

Zur Adventszeit 2016 »