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Groß, glänzend, golden

  • 14.09.17 12:27
  • Martin Mölder
  •   Glaubensmagnete

Die Freude Auguste de Montferrands währte aber nur kurz, als er erfuhr, dass er mit seinem Entwurf einer neuen Kirche in St. Petersburg einen Architektur-Wettbewerb gewonnen und Russlands Kaiser Alexander I. überzeugt hatte. Denn so schön auch das Endergebnis gedacht war – der Bau einer der imposantesten Kirchen Russlands und einer der größten Kuppel-Kathedralen der Welt gestaltete sich weitaus schwieriger als zunächst gedacht. Denn dort, wo heute das Schmuckstück St. Petersburgs thront, war einst ein Sumpf. Über 20.000 Baumpfähle mussten zuerst in den Boden eingerammt werden, um dem Boden die nötige Stabilität zu verleihen und um danach 112 tragende Granitsäulen, jede 114 Tonnen schwer und 17 Meter hoch, aufrichten zu können. Es sollte eben eine Kirche mit einer längeren Lebensdauer werden als ihre Vorgänger, denn an gleicher Stelle standen im 18. Jahrhundert insgesamt drei Isaak-Kirchen. Die brannten entweder ab oder  passten wie der Vorgänger der heutigen Isaakskathedrale nicht ins Bild der Stadt.

Edel und detaillbesessen

Ein Jahrzehnt dauerte der Innenausbau der russischen Vorzeigekathedrale. 10 Jahre nach ihrer feierlichen Weihe wurde die Isaakskathedrale dann 1858 für alle geöffnet. Nun konnte jeder mit seinen eigenen Augen sehen, was die Bauingenieure, Steinmetze, Glasbauer, Tischler und Stuckateure, aber auch ca. 500.000 Leibeigene des Kaisers vollbracht hatten. Der Innenraum der Kirche besteht damals wie heute aus einem Ensemble prachtvoller Gemälde, Mosaiken und Wandmalereien, bis ins letzte Detail vollendet und ausgeleuchtet von riesigen Kronleuchtern – jeder jeweils drei Tonnen schwer. Nur hochwertige Steine wurden für den Innenausbau verwendet: Jaspis, Lapislazuli, Porphyr, Malachit und Marmor schmücken Wände, Böden und Säulen der Isaakskathedrale. Insgesamt wurden 43 verschiedene Baustoffe benutzt, weshalb sie auch den Beinamen „Museum der russischen Geologie“ trägt.

Kirche und Museum

Dabei war sie tatsächlich einmal ein Museum und zwar während der Zeit des Kommunismus, als die freie Religionsausübung in Russland unter Strafe stand. Erst seit 23 Jahren werden wieder Gottesdienste in der Isaakskathedrale gefeiert, auch, weil es nach dem 2. Weltkrieg einiges zu restaurieren gab. Bis zu 14.000 Menschen können hier nun wieder gemeinsam singen und beten. Oder aber die 262 Stufen auf die Beobachtungsplattform der Kolonade hochsteigen. Wer das schafft, wird mit einem atemberaubenden Blick über St. Petersburg belohnt.

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