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Guido Cantz: „Der da oben hat mir Zeichen gegeben“

  • 19.07.22, 16:25
  • Martin Mölder
  •   Nachgefragt

Entertainer Guido Cantz steht seit mehr als 30 Jahren auf der Bühne und vor der Kamera. Lange hat der TV-Star die Erfolgsshow „Verstehen Sie Spaß?“ moderiert. Martin Mölder hat den überzeugten Katholiken in „seiner Kirche“, St. Aegidius in Köln-Porz-Wahn, getroffen.

 

Herr Cantz, Sie sind mit neun Jahren Messdiener geworden und acht Jahre geblieben. Inwiefern hat Sie das geprägt? 

Ich bin auch als Kind schon sehr gerne in die Kirche gegangen. Natürlich gab es schon mal Predigten, die ich zu lang und eher langweilig fand, aber als Messdiener hatte ich immer etwas zu tun und konnte auch während der Predigt überlegen, was als Nächstes kommt und getan werden muss. Ich fand vor allem den Zusammenhalt unter uns Messdienern toll, mir hat das gut gefallen. Deshalb bin ich auch so lange dabeigeblieben.

Ihr Sohn Paul ist auch Messdiener geworden. Freuen Sie sich, wenn Sie ihn hier in St. Aegidius am Altar sehen?

Ich finde das ganz großartig. Meine Frau ist auch Katechetin hier, und Pauls ältere Cousinen dienen auch. Das ist ja heute ganz anders als bei uns früher. Damals gab es den Aushang, und da stand dann eben Cantz 1, das war mein großer Bruder Jochen, oder Cantz 2, das war ich, und dann das jeweilige Datum dahinter, an dem wir Dienst hatten. Heute haben die Messdiener Doodle-Listen, wo jeder eintragen darf, wann er die Messe dienen kann, und so die Möglichkeit hat, seinen Wunschtermin anzugeben.

Sie gehen gerne in Kirchen, auch wenn Sie auf Tournee sind. Warum?

Für mich sind Kirchen Orte der Ruhe, Orte, an denen ich wirklich innehalten und bei mir sein kann, selbst wenn das, wie auf Tournee, oft auch nur kurze Momente sind. Ich zünde immer eine Kerze an und spreche ein kleines Gebet und merke, wie mir das jedes Mal neue Kraft gibt. Und dann sind Kirchen natürlich nicht nur spirituell, sondern auch architektonisch besondere Orte.  

Sie haben mal gesagt: „Ich habe das Gefühl, dass meine Gebete nicht ins Leere laufen.“ Was gibt Ihnen dieses Gefühl? 

Ich glaube einfach, dass jemand auf mich aufpasst, und das spüre ich auch im Gebet. Außerdem glaube ich, dass es für einiges, ich würde sogar sagen, das meiste in meinem Leben, einen Grund gibt. „Der da oben“ hat mir immer wieder Zeichen gegeben, um mir zu sagen, denk mal über diesen Weg nach oder jenen, mach das vielleicht mal so oder anders. Ich bin davon überzeugt, dass es keine Zufälle waren, die mich meinen Weg haben gehen lassen. Ganz sicher nicht.

Gab es auf Ihrem Weg einzelne Weggabelungen, an denen Sie Gottes Hilfe beim Abbiegen brauchten?

Definitiv. Da war vor allem die Weggabelung, die vor 25 Jahren vor mir lag, als ich mich aus dem Nichts heraus aufgrund eines seltsamen Virus auf der Intensivstation im Krankenhaus wiedergefunden habe und überhaupt nicht wusste, was da gerade mit mir passiert. Ich kann mich nicht mehr an alles erinnern, habe aber schon gemerkt, dass es mir richtig schlecht ging. Später erst habe ich erfahren, dass es wirklich knapp war, unter anderem weil ich eine Herzinsuffizienz hatte. Das war eine Sache, die alle sehr beunruhigt und auch verängstigt hat. Auch meine Familie, selbst wenn die das nicht so gezeigt hat. Aber das hatte zur Folge, dass ich mir in dieser Zeit klar darüber geworden bin, was ich mache und was ich will und was nicht.

Sie haben ein besonderes Exemplar der heiligen Ursula bei sich zu Hause. Wo haben Sie die her?

Wir waren in Österreich, im Skiurlaub. In Tirol waren wir in einer Stube in diesem Hotel, und da standen einige Heiligenfiguren. Und der Chef des Hotels erzählte, dass sein Schwiegervater die geschnitzt hat. Und dieser Schwiegerpapa hatte zum Glück auch Lust auf etwas Neues, denn die heilige Ursula mussten wir erst mal für ihn googeln, um zu zeigen, wie die aussieht. Und seitdem steht die, gesegnet von Johannes (Mahlberg, Anmerkung der Redaktion), unserem Pfarrer hier in Aegidius, bei uns im Wohnzimmer.

Sie bezeichnen sich als „praktisch katholisch“. Was heißt das genau?

Praktisch katholisch bedeutet für mich, dass man keine Scheuklappen hat, dass man mit einem sehr offenen Visier durchs Leben geht. Ich erzähle immer gerne die Geschichte von der Tante meiner Schwägerin, die immer an Ostern zu Kaffee und Kuchen einlud. Und weil in der großen Familie kein anderer Tag frei war, hat sie immer an Karfreitag dazu eingeladen. Aber immer erst um 15.30 Uhr, weil „da hat der Jesus bereits das Schlimmste hinter sich“. Ich finde auch, dass man über Kirche Witze machen kann und sollte. Das macht Kirche für mich normal, menschlich und zeigt, dass niemand Angst vor der Kirche haben muss.

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