(c) Robert Boecker

Gundula Gause: "Der Glauben ist ein Geschenk"

  • 21.04.20, 15:43
  • Martin Mölder
  •   Nachgefragt

Seit mehr als 30 Jahren arbeitet die Journalistin Gundula Gause beim Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF). Die gebürtige Berlinerin ist evangelisch, hat katholisch geheiratet und setzt sich für eine gelebte Ökumene sein. Als Botschafterin des katholischen Hilfswerks Missio hat sie mehrfach Projekgebiete in Afrika besucht. Martin Mölder hat die engagierte Christin und Nachrichtenmoderatorin exklusiv in Mainz getroffen - in ihrer Traukapelle.

Frau Gause, wir sitzen hier in der 14-Nothelfer-Kapelle in Mainz-Gonsenheim. Warum ist das für Sie ein besonderer Ort?

Ganz banal, weil wir mit unserer Familie um die Ecke wohnen – und ganz besonders, weil wir 1997 in diesem kleinen, aparten Gotteshaus geheiratet haben. Jedes Mal, wenn Joggen oder ein Spaziergang einen an dem schönen Backstein-Kirchlein vorbeiführt, denkt man gerne an diesen speziellen Tag. 

Ist Ihnen von den 14 Nothelfern einer oder eine besonders nah?

Auch wenn ich Protestantin bin, bewundere ich gerade die heilige Katharina. Als Patronin der Philosophen, Theologen und Gelehrten, aber auch vieler Handwerksberufe bietet sie mir eine breite Identifikationsgrundlage. 

Sind Sie gerne in Kirchen?

Auf unseren Reisen gehen wir grundsätzlich in fast jede Kirche, die die jeweilige Stadt zu bieten hat, was natürlich in Rom beispielsweise eine große Herausforderung ist. Da schafft man vielleicht drei bis vier am Tag. Kirchen sind für mich zum einen ein Dokument der Zeitgeschichte, der Bau- und Stadtgeschichte und der Kultur, die über den Kirchenbau in die Städte getragen wurde. Und natürlich gibt es zum anderen Kirchen, die mich wirklich spirituell ergreifen, berühren und in denen ich tatsächlich eine göttliche Gegenwart spüre.

Sie sind evangelisch, haben aber katholisch geheiratet. Warum?

Es war mir klar, als ich mich in einen Katholiken verliebte, dass es die katholische Kirche einfordert, katholisch zu heiraten und die Kinder im katholischen Glauben zu taufen und zu erziehen. Darauf habe ich mich ohne Vorbehalte eingelassen. Vor allem durch meine evangelische Mutter habe ich meine religiöse Sozialisation erfahren, spüre aber unabhängig davon eine große Nähe zum katholischen Glauben und will für mich persönlich die noch bestehenden theologischen und administrativen Unterschiede nicht als trennende Grenze akzeptieren. Aus dem gleichen Grund respektiere ich selbstverständlich die Haltung meines Mannes mit seiner sehr katholischen Familientradition. 

 (c) Robert Boecker

Wie wichtig war die christliche Sozialisation Ihrer Mutter?

Die hat die Basis gelegt: Das tägliche Beten, das Heranführen an eine göttliche Ebene, an einen Gott, der seinen einzigen Sohn hergegeben hat, um uns Menschen zu retten, und auch das Vertrauen darauf, dass wir alle Gottes Kinder und bei ihm geborgen sind – all das habe ich durch meine Mutter erfahren und bin ihr dafür bis heute sehr dankbar.

Wie leben Sie Ihren Glauben im Alltag?

Wir beten gemeinsam zu Tisch als kurzer Moment der Einkehr und Dankbarkeit. Zudem gibt es im Alltag immer mal Situationen, in denen ich ein kleines Gebet spreche oder auch mal ein Vaterunser. Das ist aber nicht „planbar“ – und auch nicht täglich der Fall. 

Welche Bedeutung hat Ihr Glauben für Sie?

Für mich hat Religion einen identitätsstiftenden Charakter. Der Glauben gehört zu meinem Leben, zum Leben meiner Familie. Ich könnte mir ein Leben ohne meinen Glauben nur sehr schwer vorstellen. Er ist für mich ein Wertefundament, auf dem ich stehe, ein Koordinaten-system, in dem ich mich bewege. Sowohl privat als auch in meinem Beruf spielen christliche Grundwerte und besonders das Gebot der Nächstenliebe eine wichtige Rolle, ohne dass das allerdings Einfluss hätte zum Beispiel konkret auf die Auswahl der Themen für das „heute-journal”. Aber die Art und Weise, wie ich an Themen rangehe, ist durch meine christliche Grundhaltung geprägt, ganz bestimmt. Auch meine Kollegen beim ZDF respektieren das. Manche können das persönlich nicht nachvollziehen. Aber ich sage dann immer: „Du, für mich ist der Glauben ein Geschenk, und entweder man ist bereit, dieses Geschenk entgegenzunehmen, oder man lässt das Geschenk eben liegen.“ 

Brauchen Journalisten, gerade im Bereich der öffentlich-rechtlichen Medien, ein Wertefundament, um gut, seriös und gleichzeitig den Menschen zugewandt journalistisch arbeiten zu können?

Damit haben Sie einen sehr wichtigen Punkt angesprochen. Jeder, der in der Öffentlichkeit arbeitet, in Politik und Gesellschaft, aber auch im Journalismus Verantwortung übernimmt, sollte doch ein gewisses Grundethos der Verantwortung in sich tragen. Viele Journalisten, die Religionen kritisch sehen, sind dennoch von einer ethisch-moralischen Wertehaltung geleitet. 

Sie sind Botschafterin des katholischen Hilfswerks missio und haben auf Reisen Projektpartner von missio in Afrika erlebt. Was haben Sie dabei erfahren?

Ich war in Kenia, Südafrika und im Senegal und habe dabei viele Projektpartner von missio kennenlernen dürfen: Priester und Ordensleute, Schwestern und Brüder, die aus christlicher Nächstenliebe und in großer persönlicher Bescheidenheit den Menschen helfen, für sie da sind, ohne, und das fand ich besonders spannend, direkt zu missionieren. Diese beeindruckenden Menschen sind für mich Vorbilder und Hoffnungsträger zugleich, denn sie arbeiten und wirken in Gegenden, in denen sie mit vielen Problemen, von denen wir hier immer nur hören oder lesen, tagtäglich konfrontiert sind: mit Dürre, unfruchtbaren Böden, Armut, Aids, sexueller Gewalt und einer aus unserer europäischen Sicht an sich unerträglichen Perspektivlosigkeit.

Hier spricht Gundula Gause über ihren Glauben und dessen Bedeutung für sie
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