Buchcover

"Hallo Mister Gott, hier spricht Anna"

  • 18.01.17 09:08
  • Martin Mölder
  •   Kultur und Kirche

„Der Unnerschied von einen Mensch und einen Engel ist leicht. Das meiste von ein Engel ist innen, und das meiste von ein Mensch ist außen.“ Als Anna das sagt, ist sie sechs. Sie hat keine Mama mehr und keinen Papa. Dafür Fynn, den sie in einer Nebelnacht vor einer Bäckerei trifft und sich sofort bei ihm einquartiert. Sie merkt, dass der schlaksige 19-jährige 1,90 Meter große Schriftsteller und Fan von Cervelatwürstchen und Schokoladenrosinen sie gern hat, fast genauso wie ihr Mister Gott. „Mister Gott, hier spricht Anna. Vielen Dank, dass Fynn mich lieb hat. Das wollte ich dir bloß schnell sagen. Und jetzt schlaf gut.“ Das betet Anna in der ersten Nacht, in der sie bei ihrem neuen Freund schläft und mit dem sie ab diesem Moment viele intensive Gespräche führen wird. Über das Leben, über die Liebe und über Gott. Sie lachen, weinen, streiten und vertragen sich wieder. Sie sind dreieinhalb Jahre lang unzertrennlich. Und Anna überrascht Fynn immer wieder mit theologischen, philosophischen, ja fast weisen Sätzen, die aus ihrem kindlichen Gemüt heraus purzeln wie Gummibärchen aus einer süßen Tüte, wenn man sie zu schräg hält. „Ich glaube, wir sind irgendwie eingesperrt. Und wir sperren auch Mister Gott in kleine Schachteln. Weil wir ihn gar nicht wirklich lieben. Die Maus gestern hab ich auch aus der Mausefalle raus gelassen, weil ich sie lieb hab. Und auch Mister Gott müssten wir raus lassen, auch aus der Kirche. Und das wäre dann wirklich Liebe.“

Kindliche Weiheiten

Manches, was Anna sagt, klingt sogar provozierend und immer wieder vergisst der Leser, dass Anna ein Kind ist. Aber vielleicht ist sie eben doch kein Kind, sondern ein Engel. Das glaubt jedenfalls Fynn, spätestens dann, als Anna mit gerade mal acht Jahren stirbt, bei einem Unfall. „Ich hatte sie wiedergefunden. Und ich war sicher, irgendwo saßen Mister Gott und Anna nebeneinander und lachten.“ Und Anna? Anna schreibt selbst vor ihrem Tod über ihren Tod: Wenn ich sterbe, dann tu ich das selber. Niemand tut es für mich. Wenn es so weit ist, dann sag ich: Fynn, stell mich hin. Und dann guck ich rum. Und dann lach ich. Dann fall ich hin und bin tot.“ Es gibt nicht viele Bücher, die gläubige Christen – egal ob groß oder klein – lesen sollten. „Hallo Mister Gott, hier spricht Anna“ ist eines dieser wenigen Bücher und jeder, der es liest, liebt dieses Mädchen und denkt über sich und seinen Glauben wieder nach. Ganz bestimmt!

Wer ist Fynn?

Das große Mysterium des Buches „Hallo Mister Gott, hier spricht Anna“ und auch seiner Fortsetzung „Anna schreibt an Mister Gott“ ist der Autor. Auf dem Buchrücken steht Fynn, der in der Geschichte eben auch als Fynn „mitspielt“. Und bis heute ist nicht zweifelsfrei geklärt, welche Person sich hinter diesem Phänomen wirklich verbirgt. Vermutet wird ein Mann namens Engländer Sydney George Hopkins, der von 1919–1999 gelebt hat. Aber sicher ist das eben nicht. Aber vielleicht gab es ja auch Anna wirklich?

AdventsZeit 2016 (c) Heiko Wrusch

Lesen Sie hier die aktuelle Ausgabe der AdventsZeit 2016.

Zur Adventszeit 2016 »