(c) Robert Boecker

Hebammenschule in Bensberg

  • 20.08.18 14:22
  • Anna Woznicki
  •   Im Auftrag des Herrn

Heute ist es außergewöhnlich ruhig in den Kreißsälen des katholischen Vinzenz Pallotti Hospitals in Bensberg, als uns die Hebammen- schülerinnen durch die Geburtenstation führen. Am Ende des rosa gestrichenen Flures, dessen Farbe die beiden jungen Frauen übrigens als „Uterusrot“ bezeichnen, hören wir das leise Piepen eines Wehenschreibers. „Heute sind hier bei uns zwei Babys auf die Welt gekommen. Meist sind jedoch alle Kreißsäle belegt und wir haben jede Menge zu tun“, sagt Leonina Koschützke. Rund 1950 Kinder kommen im Vinzenz Pallotti Hospital im Jahr zur Welt. Dabei stehen Leonina und ihre Kolleginnen den Frauen bei. Sie unterstützen im Kreißsaal, betreuen die Wöchnerinnen und umsorgen die Neugeborenen. Werdende Mütter und Väter können sich auf die Hebammen verlassen.

Keine guten Berufs-Aussichten

Die Hebammenschule des Hospitals ist eine von insgesamt zehn Hebammenschulen in ganz NRW. Petra Kahlberg-Spix ist seit 18 Jahren Schulleiterin. Sie weiß, dass der Beruf der Hebamme ganz so rosarot wie der Anstrich der Geburtenstation nicht ist: „Wer sich trotzdem für diesen Weg entscheidet, ist eine gute Hebamme, für den ist dieser Beruf Berufung!“ Hohe Versicherungsbeiträge, Personalmangel, ein zu niedriges Gehalt. Die Liste der Nachteile scheint lang. Trotzdem wuselt es in den Klassenräumen. Vor zwei Wochen begannen die neuen Auszubildenden. 200 hatten sich auf die 20 ausgeschriebenen Stellen beworben. 40 Auszubildende der drei Ausbildungsjahre erlernen insgesamt den Beruf der Hebamme am Vinzenz Pallotti Hospital. Noch etwas aufgeregt sitzen die Frauen im Unterricht, schreiben fleißig mit, suchen den Austausch. Heute das Thema: Tragehilfen. Sie alle sind fest entschlossen einen Beruf zu erlernen, der so alt wie die Menschheit ist, der mit zu den wichtigsten Berufen überhaupt gehört. Und von dem Zeitungen titeln: Hebamme – ein aussterbender Beruf?

Kämpferisch und hoch motiviert

„Nein, dieser Beruf wird niemals aussterben“, sind sich die Schülerinnen einig. Nur die Steine, die den Hebammen in den Weg gelegt werden, die werden größer. „Ich warte auf eine Revolution!“, sagt Madeleine Mroch (25). Ihre Augen blitzen. „Krankenhäuser schließen ihre Geburtenstationen, weil sie völlig überlastet sind. Hebammen kümmern sich um bis zu sechs Frauen gleichzeitig! Das verändert den ganzen Beruf. Ich möchte eine Familie ganzheitlich betreuen. Eine gute Betreuung am Anfang eines neuen Lebens prägt die gesamte Familiensituation!“ Sie lässt ihre Fäuste auf den Tisch fallen und holt tief Luft: „Geburt ist ein heiliger Raum. Ein Wunder. Wir müssen dem wieder mehr Aufmerksamkeit schenken.“ Petra Kahlberg-Spix lächelt. Sie schätzt den Kampfgeist ihrer Schülerinnen. Die Power, mit der sie für ihre Sache und für die Sache aller Familien kämpfen. Wenn man sich die jungen Frauen so anschaut, ihre entschlossenen Blicke, ihre Wissbegier und den Willen es richtig zu machen, spürt man es. Madeleine Mroch: „Wir wollen zurück zu einer wertschätzenden Betreuung. Wir wollen sensibel machen für den Anfang, den wir alle erlebt haben. Ausgeführt von der Hand einer Hebamme!“

SommerZeit 2018 (c) Robert Boecker

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