Die Grabeskirche in Jerusalem (c) picturealliance_Presse_Bild_Poss_Uta-Poss

Heiliger Ort und Zankapfel

  • 27.08.16 12:46
  • Martin Mölder
  •   Glaubensmagnete

„Es war aber an der Stätte, wo er gekreuzigt wurde, ein Garten und im Garten ein neues Grab, in das noch nie jemand gelegt worden war. Dahin legten sie Jesus wegen des Rüsttags der Juden, weil das Grab nahe war.“ (Johannes, 19, 41ff.) So heißt es im Johannes-Evangelium. Jetzt steht an dieser Stelle mitten in der Altstadt Jerusalems die Grabeskirche, für viele Gläubige das bedeutendste christliche Bauwerk überhaupt. Sie umrahmt mit ihren Mauern die letzten vier Kreuzweg-Stationen Jesu. Über das Grab Jesu wurde eine Kapelle gebaut, vor der sich jeden Tag eine lange Menschenschlange bildet.

Gebaut, zerstört, wieder aufgebaut

Das Grab Jesu (c) picturealliance_auf_Andreas_Keuchel

Der Bau der Basilika wurde 326 von Kaiser Konstantin in Auftrag gegeben und am 13. September 335 geweiht. Am 18. Oktober 1009 wurde sie auf Befehl des Kalifen Al-Hakim zerstört. Dabei wurde das zu diesem Zeitpunkt noch weitgehend intakte Felsengrab so stark beschädigt, dass heute nur noch Bruchstücke davon erhalten sind. Als Jerusalem durch die Kreuzritter 1099 erobert wurde, begann der Wiederaufbau der heute noch bestehenden Grabeskirche, die allerdings immer wieder renoviert und verändert wurde.

Mit der Neugestaltung im Jahr 1555 begann auch der Streit darüber, wer in der Grabeskirche das Sagen hat. Waren es damals die Franziskaner und Orthodoxen, sind es heute gleich sechs christliche Konfessionen, die ihr Recht immer wieder geltend machen: Die Hauptverwaltung der Kirche teilen sich die Griechisch-Orthodoxe, die Römisch-Katholische Kirche, vertreten durch den Franziskaner-Orden, und die Armenische Apostolische Kirche. Im 19. Jahrhundert kamen die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien, die Kopten und die Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche hinzu. Sie bekamen allerdings nur einige kleinere Schreine und Aufgaben zugeteilt. Die Äthiopier leben heute in einer kleinen Gruppe auf einem Dach der Grabeskirche. Wegen der Streitigkeiten unter den Christen verwahrt eine moslemische Familie seit Jahrhunderten den Schlüssel der Grabeskirche. Mitglieder der Familie Nusseibeh und Joudeh schließen die Haupttür morgens auf und abends wieder zu.

AdventsZeit 2016 (c) Heiko Wrusch

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