Hoch, höher, Ziteil

  • 14.01.18 17:37
  • Martin Mölder
  •   Glaubensmagnete

Sind es nun 2429, 2434 Meter oder liegt die kleine Wallfahrtskapelle in den Schweizer Alpen noch höher? Ganz genau wird das wohl nie herausgefunden werden, aber für die Pilger, die den beschwerlichen Aufstieg dorthin auf sich nehmen, spielt das auch eine eher untergeordnete Rolle. Das Gotteshaus selbst ist kein architektonisches Meisterwerk der Baukunst, eher eine schlichte kleine Kirche mit einem angebauten Pilgerhaus mit 150 Übernachtungsplätzen. Das Besondere am Marienwallfahrtsort Ziteil ist für nahezu alle Pilger die Lage hoch oben in den Schweizer Bergen am Osthang des Piz Curvér und die wunderbare Aussicht auf die Oberhalbsteiner und auf die Albula-Alpen, sowie auf den 4000er Berg „Piz Bernina“. Aber natürlich kommen die Tausenden Wanderer jedes Jahr auch wegen der Geschichte, die sich hier im Jahre 1580 ereignet haben soll.

Zweimal Maria

Damals soll eine kleine Frau, komplett weiß gekleidet und mit einem weißen Schleier verhüllt, einem 18-jährigen Mädchen erschienen sein und ihr sinngemäß gesagt haben: „Gehe hin und sage dem Volk im Land Oberhalbstein, es habe nun so viel gesündigt, dass nicht noch mehr ertragen werden könne. Wenn es sich nicht bessere, werde Gott es streng bestrafen, so dass er nicht nur die Feldfrüchte verdorren, sondern das Volk vom Jüngsten bis zum Ältesten sterben lassen werde. Ich kann bei meinem Sohn für dieses Volk nicht mehr Fürbitte einlegen.“ Das Mädchen hatte jedoch Angst diese Botschaft weiter zu erzählen und deshalb erschien die Gottesmutter Maria ihr am nächsten Tag wieder mit dem gleichen Auftrag. Als das Mädchen sich wieder nicht traute, die Warnung Marias auszurichten, rief eine Stimme das Mädchen in der Nacht und als auch ihre Mutter die Stimme hörte, erzählte ihr das Mädchen alles. Die Mutter gab die Worte Marias weiter an die Männer des Volkes und nachdem der Landvogt schließlich mit Mutter und Tochter gesprochen hatte, verordnete er Prozessionen zu dem Ort der Marienerscheinung, an der jedes Mal über 3000 Menschen teilnahmen. Und tatsächlich: Alle verdorrten Feldfrüchte fingen wieder an zu grünen und weckten Hoffnung auf eine gute Ernte. Die Marienverehrung verstärkte sich noch, als Maria wenige Tage nach dem sie dem Mädchen erschienen war auch mit einem 16-jährigen Knaben in Ziteil sprach.

Wanderer und das Wunder

Obwohl das alles schon über 430 Jahre her ist, wird in der kleinen Wallfahrtskirche in Ziteil die Gottesmutter Maria bis heute verehrt, meist in Wanderschuhen und mit Wanderstock in der Hand. Die Wallfahrtskirche Ziteil ist das höchstgelegene Gotteshaus Europas, aber nur der zweithöchstgelegene Wallfahrtsort. Noch höher, und zwar auf über 3500 Meter steht die „Madonna delle Nevi“ auf dem Rocciamelone am Südrand der Grajischen Alpen. Zu dieser  Madonnenstatue pilgern jedes Jahr am 05. August mehrere hundert Gläubige. Sie tragen dann traditionell einen Sack Sand von der Hütte auf den Gipfel.

AdventsZeit 2018 (c) Robert Boecker

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