(c) picturealliance_ZB_spezial

Hopfen und Malz - Gott erhalt´s

  • 29.06.17 10:23
  • Martin Mölder
  •   Kurz und Knapp

Wenn Pater Valentin über Bier spricht, leuchten seine Augen und er kommt schnell ins Schwärmen. Der gelernte Weinbauer ist seit 10 Jahren bei den Benediktinern in der Abtei Sankt Bonifaz in München und Andechs, wie das Kloster Andechs offiziell heißt. Und als so genannter Celleran ist Pater Valentin unter anderem zuständig für den Vertrieb der verschiedenen ober- und untergärigen Biere, die von der Klosterbrauerei am „Heiligen Berg“ aus mittlerweile ihren Weg in die ganze Welt finden. Seine Ausbildung als Weinbauer hilft ihm bei seiner Arbeit, sagt er, denn es gibt Parallelen zwischen der Wein- und Bierproduktion zum Beispiel bei den Arbeitsschritten „Vergärung“ und „Filtration“. Darüber hinaus hat der studierte Theologe und Pfarrer dreier Gemeinden auch noch mehrere Kurse im Bierbrauen besucht. Mit Erfolg: Von 2003 bis 2008 hatte Pater Valentin die Gesamtleitung der Klosterbrauerei inne. In dieser Zeit entwickelte sich das Andechser Bier immer mehr zum Exportschlager. Mittlerweile findet man es in ganz Deutschland in gut sortierten Getränkeläden und den großen Supermärkten. Und auch die Italiener, Russen, Österreicher und Schweizer können kosten, wie gut Bier „made in Andechs“ schmeckt.

Uralte Bierbrau-Tradition

 (c) picturealliance_chromorange

Dabei ist das Andechser Bier bereits über 550 Jahre alt. Damals gehörte das Bierbrauen ähnlich wie das Backen von Brot zu den alltäglichen Aufgaben in bayrischen Haushalten. Allerdings braute man Bier damals eher für den Eigenbedarf zu Hause. Auch eine klösterliche Gemeinschaft ist aus ökonomischer Hinsicht so etwas wie ein großer, gemeinschaftlicher Haushalt und so lag es nahe, dass auch die Mönche in den Klöstern Bier brauten.

1455 gründete Herzog Albrecht III. das Kloster Andechs und die sieben Benediktinermönche, die in diesem Jahr noch von Tegernsee nach Andechs übersiedelten wussten, wie man aus Wasser, Hopfen, Malz und Gerste ein schmackhaftes Getränk zubereiten konnte, das zum Schweinsbraten genauso gut schmeckt wie zur Weißwurst. Seitdem ist viel Zeit vergangen.

Expansion und Qualitätssicherung

Die Klosterbrauerei ist gewachsen und stetig modernisiert worden. Gerade in den Jahren 2005/2006 wurden neue Gär- und Lagerkapazitäten geschaffen inclusive vier Getränketanks mit je einem Fassungsvermögen von knapp 1000 Hektolitern. Und auch das Sudhaus und weitere Produktionsbereiche wurden rund erneuert. Geblieben ist das Leitmotto der Mönche: „Unsere Tradition ist es, fortschrittlich zu sein. Unseren Fortschritt verdanken wir einer großen Tradition.“ Mittlerweile gehören zum Kloster neben der Klosterbrauerei noch das Bräustüberl, die Klosterbrennerei und der Klostergasthof. In Andechs leben zurzeit sechs Mönche, für den Bereich „Bier“ sind allerdings nur Pater Valentin und ein Mitbruder verantwortlich und damit für 100.000 Hektoliter, die Jahr für Jahr den „Heiligen Berg“ verlassen. Sieben verschiedene Bierspezialitäten werden im Kloster Andechs gebraut. Das Bekannteste ist wohl der Andechser Doppelbock Dunkel mit seinem „vollmundigen und samtigen, kräftigen und doch angenehm malzaromatischen Geschmack“, sagt Pater Valentin und schwärmt genauso vom Andechser Weiß- und Vollbier hell. Wenn er aber nach Feierabend selbst einmal ein Bier seiner Klosterbrauerei öffnet, ist es meist ein Andechser Bergbock Hell. Dann genießt er den Ausblick vom „Heiligen Berg“ und ist überzeugt, dass er seiner Gesundheit etwas Gutes tut. „Es kommt eben nur auf das Maß an“.

SommerZeit 2017

Lesen Sie hier die aktuelle Ausgabe der SommerZeit 2017.

Zur SommerZeit 2017 »